Mittwoch, 8. September 2004

Strasser macht Ernst: Auf Kollisionskurs mit Kanzlers Darling KHG

In den USA punktet der Innenminister als Liberaler. In Wien kämpft er mit Hardliner Grasser ums Geld. Wird Ernst Strasser zum Anti-Schüssel?

Schon während seines Spaziergangs durch den New Yorker Central Park vergangenen Freitag ahnte der Innenminister, was in Bälde in der Heimat auf ihn zukommen würde: ein beinharter Budgetstreit mit seinem „parteifreien“ Ministerkollegen Karl-Heinz Grasser.

Und doch – eine Woche im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, zwischen Washington und New York, samt Treffen mit den wirklich Mächtigen dieser Welt, wie US-Justizminister John Ashcroft, den er vor einigen Monaten in Wien spontan im Edelwirtshaus „Grünauer“ bewirtet und dessen Sympathien er geweckt hatte, als er dem passionierten Motorradfahrer und Hardliner Ashcroft die neuesten KTM-Modelle vorführen ließ, dürfte einen veritablen Kraftschub beim Austropolitiker ausgelöst haben.

Strassers Muskelspiel. Und so dachte sich der 48-jährige Wahlniederösterreicher nach seinem Besuch in Manhattan wohl wie schon so viele vor ihm: „If you can make it there, you’ll make it everywhere.“ Und zeigte – wieder zurück in Wien – Grasser seine Grenzen auf. Schließlich hatte er sich nur wenige Tage zuvor selbst mit Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger – der Österreich 1968 als sozialistisch regiert gewertet hatte – angelegt und ihm ausgerichtet: „Lernen Sie Geschichte.“

Vergangenen Montag – Grasser verlangte vom Innenminister trotz explodierender Kriminalitätsraten den Abbau von 1.800 Beamten in den kommenden zwei Jahren, um sein steigendes Budgetdefizit einzudämmen – folgte dann der nächste Streich: Strasser ließ die Gespräche mit Grasser schlicht „platzen“, um sie am Tag darauf nicht minder forsch fortzusetzen, obwohl sich alle seine Ministerkollegen bereits dem rigiden Sparzwang des Finanzministers unterworfen hatten.

Im NEWS-Interview erklärt Strasser denn auch: „Die Vorschläge des Finanzministers sind inakzeptabel. Auch der Abbau von 900 Beamten kommt für mich nicht infrage.“ Und er nimmt den Kanzler, mit dem der einstige Paradeliberale der schwarz-blauen Regierung alles andere als ein Herz und eine Seele ist, höchstpersönlich subtil in
die Verantwortung: Der Kanzler könne „kein Interesse an einer höheren Kriminalität haben“.

Grasser gibt nach. Und tatsächlich: Schüssel musste sich erstmals gegen seinen von der FPÖ übergelaufenen Lieblingsschüler Grasser stellen und dem von ihm wenig geschätzten Innenminister Schützenhilfe geben. Denn die Schlagzeilen „Grasser und Schüssel entlassen Hunderte Beamte“ wollte wohl selbst der stets ach so gelassene Kanzler nicht freiwillig über sich ergehen lassen. Und so musste der einst so erfolgsverwöhnte Finanzminister eben seine Forderungen drastisch reduzieren.

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PLUS: „Das kann Schüssel nicht wollen“ - Ernst Strasser im NEWS-Interview

8.9.2004 15:47