Mittwoch, 8. September 2004

Sex-Krieg in der Kirche

  • Krenns Ende: Was im geheimen Visitationsbericht steht.
  • Und warum Kurt Krenn gehen muss.

Küng bleibt, Krenn geht: Der Vatikan setzt Visitator Klaus Küng als Administrator von St. Pölten ein. Kurt Krenn muss in die Rente.
Der Fall Paterno: In Österreichs Kirche brechen alle Dämme. Nun wird auch noch TV-Kaplan Paterno des Missbrauchs bezichtigt.

Die Überraschung ist perfekt: Klaus Küng bleibt doch länger in St. Pölten, als ihm lieb ist. Wie aus der engsten Umgebung des Apostolischen Visitators durchsickerte, wird er auf Wunsch des Vatikans zum „Administrator“ – quasi zum Provisorialverwalter und Statthalter des bisherigen Krenn-Imperiums – ernannt.
Darüber hinaus bleibt er Diözesanbischof von Feldkirch in Vorarlberg. Es ist also nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis Kurt Krenn Kirchengeschichte ist. Eine Absetzung des glücklosen St. Pöltner Oberhirten muss noch vor Mitte September erfolgen, denn nur so lange dauert der Visitationsauftrag von Küng. Danach übernähme – laut Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici) – wieder Krenn die Diözese.
Und genau das wollen die Kirchenmanager in Rom unter allen Umständen verhindern.

Rücktritt. Küngs Bestellung zum „Administrator“ wird also rasch erfolgen. Und sie setzt Kurt Krenn unter Handlungszwang: Entweder tritt er „aus gesundheitlichen Gründen“ sofort zurück, wie ihm das von Mitgliedern der Bischofskonferenz schon mehrmals geraten wurde. Oder er tritt „gezwungenermaßen“ in den Ruhestand, was seinen Ruf endgültig demolieren würde. Die vatikanische Bischofskongregation unter Leitung von Kardinal Giovanni Battista Ré präferiert die freiwillige Resignation – ohne Gesichtsverlust, aber mit allen kirchlichen Pensionsansprüchen.

Nachfolgersuche. Klaus Küng wird, so die römischen Regisseure, bis zum Frühjahr 2005 als Administrator tätig sein. Bis Jahresbeginn 2005 will der Papst einen offiziellen Krenn-Nachfolger gefunden haben. Weihbischof Heinrich Fasching, der schon – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, aber umso effizienter – in den vergangenen Jahren de facto die Diözese leitete und sie vor der endgültigen Spaltung bewahrte, wird bis auf weiteres dem Administrator Küng zur Hand gehen. Mit seinem 75. Geburtstag hatte Fasching im heurigen Mai dem Papst seinen altersbedingten Rücktritt angeboten.

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PLUS: Küng-Bericht: Was der Visitator dem Papst in Rom alles melden wird

8.9.2004 15:40