Peymann lehnt "Josefstadt"-Angebot ab: Will nicht Theater-Direktor in Wien werden
Noch in diesem Jahr soll der neue Direktor des Wiener Theaters in der Josefstadt gefunden werden, wenn das Provisorium Helmuth Lohner II im Sommer 2006 endet. Einer der prominentesten, häufig genannten Namen ist nun aus dem Spiel: Claus Peymann,legendärer Burgtheaterdirektor und derzeit Intendant des Berliner Ensembles, wurde kontaktiert und lehnte ab. Das bestätigt Peymann in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe.
Peymann: "Man hat mich gefragt, und ich hatte auch ein Gespräch. Aber: nein. Ich will weder nach Österreich zurück, noch will ich ein anderes Theater als das BE. Dieses Theater ist ein Juwel und es wird die letzte Station für mich als Intendant sein. Wien war eine tolle Zeit, die Königsetappe für mich, die Gott sei Dank vorbei ist."
Hauskandidaten wie den oft genannten Schauspieler Herbert Föttinger lehnt Peymann in NEWS mit gewohnt drastischer Begründung ab: "Den theatralischen Saustall in der Josefstadt kann man nicht in Harmonie als Hauskandidat ausmisten. Wenn man keinen Kompromissler bestellen will, braucht man einen kühnen, phantasievollen Träumer. Natürlich gab es in der Josefstadt immer wunderbare Schauspieler. Aber die Wahrheit ist doch, dass in diesem herrlichen Theater seit 50 Jahren nicht mehr Theater gespielt wird, sondern gemütlich verkommene Schmiere. Wer dieser traurigen Ruine Leben einhauchen will, müsste alle austauschen: die Direktion, das Ensemble und das Publikum. Das hätte vielleicht ein 45- oder 50jähriger Peymann geschafft. Aber kein siebenundsechzigjähriger Theateropa!"
Die zum Teil verheerenden Kommentare anlässlich der Ernennung Jürgen Flimms zum Salzburger Festspielintendanten kommentiert Peymann in NEWS mit Sarkasmus: "Ich finde es vielleicht sogar hilfreich, dass mein Freund und ehemaliger Regieassistent so beschimpft wurde. Er ist schließlich auch viel gelobt worden und war jahrelang ein Allerweltsdarling. In Köln klüngelte er erfolgreich mit der CDU, der SPD und der FDP. Und freitags zur Gegendemo... Ich bin eher der Gegentyp. Ich hab keine Angst vor Konflikten und habe gern Feinde. Darum war die Wiener Zeit so glücklich. Die Breitseite, die Jürgen Flimm in den deutschen Feuilletons bekommen hat, wird ihn stärken. Er wird dem Feuilleton dankbar sein. Dass er Salzburg erfolgreich leiten kann, steht für mich außer Frage. Allerdings mein Favorit war ein anderer, nämlich Klaus Bachler. Ich dachte, das wäre sein Traumschiff - von der Donau an die Salzach. Musikalische Kenntnisse haben beide nicht. Dafür sucht man sich gute Leute. Ich kann mich überhaupt nur an Festspielpräsidenten erinnern, die keine Ahnung von der Musik und keine Ahnung von Kunst hatten. Manche konnten eine Trommel nicht von einer Trompete unterscheiden. Vielleicht bin ich seinerzeit überhaupt nur deshalb in Salzburg gelandet."
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