Palmers steht vor Verkauf: Vertrag soll bereits am Montag unterzeichnet werden
- Übernahme durch österreichisch-deutsches Konsortium
- Textilgruppe hofft auf "weiteres Wachstum in Europa"
·Happy Birthday! Palmers feiert 90er!
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90 Jahre nach ihrer Gründung wird die traditionsreiche österreichische Textilfirma Palmers verkauft. Der Kaufvertrag soll Montagabend unterschrieben werden, wurde am späten Freitagnachmittag gegenüber der APA bestätigt. Käufer des größten Textil- und Dessous-Unternehmens Österreichs sind zwei Beteiligungsfondsgesellschaften: 80 Prozent der Aktien der Palmers Textil AG übernimmt die deutsche Quadriga Capital, die restlichen 20 Prozent der Wiener Mittelstandsfinancier Lead Equities. Unter neuer Eigentümerschaft soll die auf Sanierungskurs getrimmte Textilfirma Palmers "zu neuer Blüte" gebracht werden.
Es handelt sich um eine Totalübernahme. Die jetzigen - zum Teil heftig rivalisierenden - Familienaktionäre werden aussteigen. Details der Transaktion wollen die Beteiligten erst nennen, "wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist", verlautet aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen heute Abend. Finanziert werde der Kauf durch ein österreichisches Bankenkonsortium.
Wäschegeschäft als Kernstück
In der Palmers Textil AG - mit rund 1.700 Mitarbeitern Kernstück des Palmers-Konzerns - ist das Wäschegeschäft der Gruppe vor allem mit den Traditionsmarken "Palmers" und "Gazelle" konzentriert.
"Das Investorenkonsortium verfolgt das Ziel, die Palmers Textil AG nicht nur als Ganzes zu erhalten, sondern zu stärken und für weiteres Wachstum auszurichten", teilten Lead Equities/Quadriga Capital am Freitagabend in einem gemeinsamen Kommunique mit den Alteigentümern mit. Darüber hinaus wurden keine offiziellen Angaben gemacht.
Zum Gesellschafterkreis der Lead Equities Mittelstandsfinanzierungs AG zählen unter anderem Investkredit, RZB, Hypo Alpe Adria Bank und Generali Versicherung. Quadriga Capital, eine große Fondsgesellschaft mit Sitz in Deutschland, hat in Österreich vor mehr als einem Jahr bereits die Austria Haustechnik (AHT) übernommen.
Streitigkeiten in Palmers-Familie
Um die Neuaufteilung der Geschäftssparten der Palmers-Gruppe war lang gerungen worden. Als vor mehr als eineinhalb Jahren der Streit innerhalb der Familie Palmers voll entbrannte, war der Anfang vom Ende der Unternehmer-Dynastie eingeläutet. Der damalige langjährige Palmers-Chef und Miteigentümer Rudolf Humer verabschiedete sich aus dem Vorstand und übernahm Gerngross. Die Familie "zerfiel" im Wesentlichen in drei gleich große Teile: Christian Michael Palmers, dessen Schwester Elisabeth Wilhelm sowie Michael Alexander und Hans Palmers mit Humer. In der Folge wurden die Schuhmanufaktur Reiter abgegeben. Don Gil wurde an Mariella Burani verkauft, die Wolford-Beteiligung innerhalb der Familie Palmers unterm Holdingdach neu geordnet. Wolford übernahm einige Palmers-Geschäfte. Das umfangreiche Immobilien-Vermögen von Palmers wurde in eine eigene Gesellschaft gelagert.
Palmers ist in Österreich Marktführer bei Damen- und Herrenwäsche. Begonnen hatte alles 1914, als Ludwig Palmers ein Damenkonfektionsgeschäft in Innsbruck eröffnete.
Der "Kurier" beziffert in seiner Samstagausgabe den voraussichtlichen Kaufpreis mit rund 50 Mio. Euro. Darüber gilt offiziell noch ein Stillschweigeabkommen. Palmers solle unter neuer Eigentümerschaft neu herausgeputzt werden und seine heutige Position auf dem heimischen Textilhandelsmarkt und auch im Ausland stärken. Eine weitere Expansion in Europa ist geplant. Die gesamte Neuausrichtung werde einige Jahre in Anspruch nehmen, sagen Insider. Operativ erlebte der Konzern eine "schwierige Phase". Insofern wäre auch ein Börsegang, bei Equity-Fonds ein durchaus praktizierter "Exit", wohl "meilenweit" entfernt. (apa/red)
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