Freitag, 10. September 2004

Postbus-Verkauf: Nur Angebote aus dem Ausland für einige Pakete erwartet

  • Personalvertreter Wurm: "Das ist nur mehr Chaos"
  • Vizekanzler Gorbach: Postbus-Teilverkauf ist voll im Plan

Die Österreichische Lösung für den Teilverkauf von Postbus und Bahnbus wackelt. Für einige der insgesamt 32 Linien-Pakete, die nach einem Regierungsbeschluss noch heuer verkauft werden sollen, werden möglicherweise nur internationale Konzerne ein Angebot legen. Postbus-Personalvertretungschef Robert Wurm übt massive Kritik. Für Vizekanzler Hubert Gorbach verläuft alles nach Plan.

Die Österreichische Lösung für den Teilverkauf von Postbus und Bahnbus wackelt. Für einige der insgesamt 32 Linien-Pakete, die nach einem Regierungsbeschluss noch heuer verkauft werden sollen, werden möglicherweise nur internationale Konzerne ein Angebot legen. Das Interesse der österreichischen Busunternehmen hingegen "beginnt zu schwinden", sagte ein namhafter potenziellen Käufer, der in Hinblick auf die weiteren Verhandlungen nicht genannt werden wollte, am Donnerstag zur APA.

Sechs ausländische Interessenten
Wie die APA aus mit dem Verkaufsprozess befassten Kreisen erfuhr, haben sich insgesamt sechs Interessenten aus dem Ausland gemeldet: die Deutsche Bahn, die französische Bahn mit ihrer 44-Prozent-Bus-Tochter Keolis, die britische Arriva, die deutsch-französische Connex (Tochter des Mischkonzerns Vivendi), eine Gruppe mehrerer Unternehmen vertreten durch eine Bank namens First Group und als sechster die tschechische Republik. Für sämtliche 32 Pakete soll aber bisher nur Connex ein Angebot gelegt haben.

"Wurm: "Das ist nur mehr Chaos"
"Das ist nur mehr Chaos. Die sollen doch endlich die Finger vom Verkauf lassen und den gesamten Post- und Bahnbus für die Kunden arbeiten lassen", schlägt Postbus-Personalvertretungschef Robert Wurm Alarm. Völlig unverständlich ist für Wurm, dass sich der von Vizekanzler Gorbach angekündigte unabhängige Wirtschaftsprüfer als Postbus-Bilanzprüfer Dr. Walter Platzer entpuppt hat. Platzer ist auch Bilanzprüfer der Post AG.

"Ausverkaufen, Verschenken und Chaos", nach dieser Devise scheint die Regierung nach Telekom und VA TECH nun auch beim Postbus vorzugehen. Nachdem einigen heimischen privaten Busunternehmen der Geschmack auf die Regierungsgeschenke zu vergehen scheint, werde nun versucht den Postbus ins Ausland zu verscherbeln, befürchtet Wurm. Der Personalvertretungschef ortet aber auch ein chaotisches Vorgehen beim Verkaufsprozess selbst. Unterlagen liegen nicht rechtzeitig vor und Gutachten werden nicht rechtzeitig fertig.

Vizekanzler Gorbach: Der Teilverkauf ist voll im Plan
Die Polemik von Postbus Personalvertretungschef Robert Wurm, in der er angebliches Chaos ortet, schadet dem Unternehmen, den Kunden und den Mitarbeitern. Diese Art von Verunsicherung sollte ein verantwortungsvoller Personalvertreter zu vermeiden wissen. "Es gibt von mir ein Angebot der Jobgarantie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieses Angebot sollte Wurm endlich ernsthaft prüfen", so Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach.

Der Teilverkauf ist voll im Plan. Bis Ende September haben die Interessenten Zeit, die Unterlagen zu sichten, um in Folge im Oktober 2004 konkrete Angebote zu legen. Erst wenn diese Angebote vorliegen, sind diese von der Investmentbank zu prüfen. "Die Teilprivatisierung ist der richtige Weg, sie ist gut vorbereitet und wir liegen im Plan", so Gorbach abschließend. (apa/red)

10.9.2004 11:56