40 Prozent der Arbeitszeit werden verschwendet: Millardenkosten für Firmen
- Studie: Management-Fehler kosten 19 Mrd. Euro
- Sales-Mitarbeiter besonders unproduktiv
40 Prozent unserer Arbeitszeit sitzen wir unproduktiv herum - Das ergab eine internationale Studie von Czipin & Proudfoot. Österreichs Betriebe liegen damit bei der Arbeitsproduktivität im internationalen Vergleich leicht unter dem Durchschnitt. Rund 40 Prozent der Arbeitszeit in heimischen Unternehmen werden mit unproduktiven Tätigkeiten verbracht, damit werden rund 87 Arbeitstage pro Jahr und Beschäftigten verschwendet. Weltweit wird mit 38 Prozent etwas weniger Arbeitszeit unproduktiv verbracht. Das kostet Unternehmen rund 19 Milliarden Euro.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die weltweite Arbeitsproduktivität leicht um 1 Prozent auf 62 Prozent gestiegen. Im Ländervergleich belegen deutsche und US-Unternehmen mit 64 Prozent produktiv verbrachter Arbeitszeit Rang 1. Schlusslicht ist Ungarn. Hier wurde nur 59 Prozent der Arbeitszeit produktiv verbracht.
Als besonders unproduktiv hat sich laut der heute, Donnerstag, veröffentlichten Studie der Vertrieb erwiesen. Sales-Mitarbeiter wenden demzufolge nur 10 Prozent ihrer Arbeitszeit für aktives Verkaufen und Akquisition auf.
Gründe: Mangelnde Planung und Führung, geringe Arbeitsmoral, etc.
Die Ursachen für die Arbeitszeitverluste liegen zum größten Teil daran, dass die Führungskräfte diese Probleme nicht wahrnehmen, heißt es. Nahezu drei Viertel der vergeudeten Zeit lasse sich auf Fehler und Schwächen vor allem im mittleren Management zurückführen. Zu den sechs wichtigsten "Produktivitäts-Barrieren" zählen die Berater mangelnde Planung und Steuerung (35 Prozent) und mangelnde Führung und Aufsicht (36 Prozent). Die weiteren Barrieren sind ineffektive Kommunikation (10 Prozent), mangelhafte Arbeitsmoral (9 Prozent), mangelnde Qualifikation der Beschäftigten (7 Prozent) und IT-Probleme (3 Prozent).
Die Führungskräfte selbst schätzen die Gründe für verlorene Zeiten jedoch anders ein. Sie bewerten das Qualifikationsniveau als besonders produktivitätshemmend, während die Studie die tatsächlichen Ursachen beim Management sieht. "Das deckt sich mit der langjährigen Erfahrung von Czipin & Proudfoot: Viele Mitarbeiter sind sehr positiv zu ihrem Unternehmen eingestellt, werden aber durch zahlreiche Probleme außerhalb ihres Verantwortungsbereichs gehindert, effizienter zu arbeiten", so Klaus Harrer von Czipin & Proudfoot.
Im Detail sehen 34 Prozent der befragten Manager in Österreich (international: 16 Prozent) in der mangelnden Qualifikation der Mitarbeiter die Hauptursache für die Zeitverluste, 44 (33) Prozent mangelnde Planung und Steuerung, 40 (29) Prozent mangelnde Kommunikation, 34 (20) Prozent mangelnde Führung und Aufsicht. Schlechte Arbeitsmoral sehen in Österreich 26 (international: 16) Prozent als Hauptgrund.
Ein Unternehmensbereich ist besonders ineffizient: der Vertrieb. Vertriebsmitarbeiter verbringen nur rund 10 Prozent ihrer Arbeitszeit mit aktivem Verkauf und der Akquisition von Aufträgen. Rund 90 Prozent ihrer Zeit sind sie mit Tätigkeiten beschäftigt, die nicht direkt den Verkauf betreffen, wie allgemeine Verwaltungstätigkeiten (31 Prozent) und Trouble shooting (14 Prozent). Mit 17 Prozent ist der Anteil an Verteilzeiten doppelt so hoch wie bei Mitarbeitern anderer Bereiche.
Interessant ist hier doch, dass die Vertriebs-Teams bei Führungskräften überraschend gut abschneiden. So bewerten 77 Prozent der Manager die Kontaktpflege und Akquise ihrer Sales-Mitarbeiter als "sehr gut" oder "gut". Dementsprechend überrasche es nicht, dass 33 Prozent der Führungskräfte keine Möglichkeit zur Steigerung der Produktivität im Verkauf sehen, heißt es. Führungskräfte hätten im Verkauf außerordentlich konservative Erwartungshaltungen, so Harrer.
Grundlage der Globalen Produktivitätsstudie 2004 sind 1.668 Einzelstudien der Unternehmensberatung Czipin & Proudfoot Consulting in neun Ländern sowie eine Gallup-Umfrage. Neben Österreich sind auch die Erkenntnisse der Produktivitäts-Spezialisten in Osteuropa (Ungarn, Tschechien, Polen, Russland, Rumänien, Bulgarien) inkludiert. Die Studie wurde zum zehnten Mal durchgeführt.(apa/red)
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