Montag, 6. September 2004

Nach Jahren des Chaos: Fußball in Aserbaidschan hofft auf Normalisierung

  • 1. Liga startete nach 13 Monaten Streit erst im Vorjahr
  • PLUS UMFRAGE: Siegt Österreich vs. Aserbaidschan?

Kein Land ist an Größe und Einwohnerzahl Österreich so ähnlich wie Aserbaidschan. Mit 86.600 Quadratkilometern (Österreich: 83.858) und rund acht Mio. Einwohnern hat die Republik am Kaspischen Meer ähnliche Dimensionen, doch damit sind die Parallelen auch schon aufgezählt. Im Fußball hat Aserbaidschan, am Mittwoch in der WM-Qualifikation zweiter Gegner von Österreich, genauso mit Wirren zu kämpfen wie in Politik und Wirtschaft.

So wie in Politik und Wirtschaft spielt das Ölgeschäft auch im Fußball seit jeher eine Rolle. Neftschi, der Nachfolgeklub von Neftjanik ("Erdölarbeiter"), war der einzige Verein der damaligen aserbaidschanischen Sowjetrepublik, der in der höchsten UdSSR-Liga regelmäßig dabei war (und 1966 sogar Platz drei erreichte). Neftschi Baku ist auch unverändert der erfolgreichste und populärste Klub des Landes, Öl-Tycoon Ramiz Mirzajew stieg im Vorjahr vom Klub-Boss zum Präsident des nationalen Fußball-Verbandes "Azärbaycan Futbol Federasiyalari Assosiasiyasi" (AFFA) auf.

Jahrelang Chaos in Aserbaidschan-Liga
Damit hofft Aserbaidschan, im Fußball den Weg der Normalisierung eingeschlagen zu haben. Denn die 1991 gegründete Liga ist bisher mehr durch Machtkämpfe, Korruptionsvorwürfe und dubiose Entscheidungen international in die Schlagzeilen geraten als durch Erfolge der Vereine.

Das Spielsystem der Liga wurde zwischen 1992 und 1999 nicht weniger als sechs Mal geändert, am kuriosesten war die Titelentscheidung 1996/97. Neftschi gewann die Liga, Vize Karabach Agdam wurde aber zum Meister erklärt, weil der Verband die Ergebnisse der U16- und U15-Meisterschaft zu jener der Kampfmannschaft addierte und da lag Karabach vorne. Die UEFA ließ sich auf das ungewöhnliche Zähl-System allerdings nicht ein und lud Neftschi für die Champions League-Qualifikation ein.

Tiefpunkt 2002, UEFA- und FIFA-Suspendierung 2003
Der Tiefpunkt wurde im April 2002 erreicht, eine Schiedsrichter-Entscheidung brachte das Fass zum Überlaufen. Der Streit war im Spiel FC Schafa gegen FK Khazar eskaliert. Der Schiedsrichter überzog die Nachspielzeit und sprach Schafa einen Elfmeter zu, der zum 1:0-Sieg führte. Die Klubs warfen der AFFA daraufhin Bevorzugung des Vereins aus der Hauptstadt Baku vor. Der Hintergrund: Schafa wurde vom nationalen Verband gegründet und geführt. Zehn Klubs weigerten sich daraufhin, die Meisterschaft zu Ende zu spielen und auch die nächste Saison zu starten.

Anfang des Jahres 2003 suspendierten UEFA und FIFA schließlich Aserbaidschan auf unbestimmte Zeit. Grund für diese Entscheidung waren u.a. die fortwährende Einmischung der Regierung in den nationalen Verband und Korruptionsvorwürfe gegen die AFFA. Auf Druck und Vermittlung von FIFA und UEFA wurde schließlich der Konflikt gelöst. Die Liga mit 14 Vereinen nahm ihren Spielbetrieb nach rund 400 Tagen Pause am 17. Mai 2003 auf, auch wenn der Neustart alles andere als reibunglos verlief.

Größter Erfolg gegen Serbien-Montenegro
Nach der Einigung haben auch UEFA und FIFA die Suspendierung aufgehoben, wenig später feierte Aserbaidschan mit dem Nationalteam den dritten großen Erfolg nach dem 1:0 gegen die Schweiz in der WM-Qualifikation 1996 und dem 2:0 gegen die Slowakei. Am 11. Juni 2003 besiegte Aserbaidschan Serbien-Montenegro 2:1 und beendete so die Teamchef-Laufbahn von Dejan Savicevic. (apa/red)

6.9.2004 14:03