Sonntag, 12. September 2004

Proteste gegen Sharons Gaza-Plan: Zehntausende demonstrieren in Jerusalem

  • Israels Premier warnt vor "Bürgerkrieg" und kündigt gezieltes Vorgehen gegen die "Aufwiegler" an

Der israelische Ministerpräsident Sharon hat radikalen Siedlern am Sonntag vorgeworfen, sie wollten mit einer gezielten Hetzkampagne einen "Bürgerkrieg" provozieren. Stunden vor einer Massenkundgebung rechtsorientierter Israelis in Jerusalem gegen den von Sharon angekündigten Abzug aus dem Gazastreifen verurteilte der Premier das Vorgehen der Siedler scharf. Sonntagabend haben Zehntausende jüdische Siedler gegen die geplante Räumung des Gaza-Streifens demonstriert.

"Ich würde sagen, dass manche Appelle direkt auf einen Bürgerkrieg hinauslaufen", erklärte Sharon. Er rief radikale Siedler dazu auf, die Armee nicht in ihr "hässliches Spiel" zu verwickeln. Er kündigte ein gezieltes Vorgehen gegen "Aufwiegler" an.

Proteste gegen Abzugs-Plan
Zehntausende jüdische Siedler haben am Sonntag in Jerusalem gegen die von Ministerpräsident Ariel Sharon geplante Räumung des Gazastreifens und von vier Siedlungen im Westjordanland demonstriert. Den Vorwurf Sharons, der wachsende Widerstand gegen seine Politik könne einen Bürgerkrieg in Israel auslösen, wiesen sie zurück. Damit rücke er alle Siedler pauschal in die Nähe von Extremisten.

Siedlervertreter hatten am Freitag einen "Bürgerkrieg" angedroht. Sie kündigten an, sie wollten sich einer Räumung ihrer Wohngebiete widersetzen und israelische Soldaten gewaltsam vertreiben. Nach israelischen Medienberichten erwägen Siedlerführer, Soldaten zur Befehlsverweigerung und Siedler zum gewaltsamen Widerstand gegen die Aktion aufrufen.

Sharon hatte angekündigt, Israel werde bis Ende kommenden Jahres aus allen 21 Siedlungen im Gazastreifen und vier weiteren Siedlungen im nördlichen Westjordanland abziehen. Bereits im Juli hatten rechtsgerichtete Israelis mit einer Menschenkette zwischen dem Gazastreifen und Jerusalems Klagemauer gegen den Abzug protestiert.

Die israelische Luftwaffe warf unterdessen am Sonntag zehntausende von Flugblättern über dem nördlichen Gazastreifen ab, in denen militante Palästinenser vor Raketenangriffen auf israelische Städte gewarnt wurden. Nach palästinensischen Angaben hieß es in den Schriften, unbeteiligte Einwohner sollten "nicht Terroristen helfen, die Raketen abfeuern". Anderenfalls würden ihre "Häuser zerstört und ihre Ländereien dem Erdboden gleichgemacht".

(apa/red)

12.9.2004 08:32