Kreml treibt Keil zwischen Rebellen: Auch
Kämpfer sollen Beslan-Drahtzieher jagen
- Auch bewaffnete Kämpfer haben Anspruch auf Kopfgeld
- Präsident Wladimir Putin entlässt Regionalpolitiker
·Justiz bestätigt: Beslan-Anführer tot
Tschetschene ist bei Sturm
auf Schule getötet worden
·Moskau will wieder die Todesstrafe
Reaktion des Parlaments auf Beslan-Geiseldrama
·Beslan: Moskau setzt Ausschuss ein
Kidnapper-Anführer möglicherweise geflohen
·'Interne Aufklärung' des Geiseldramas?
Präsident Putin gegen öffentliche Untersuchung
·Geiseldrama: Sturm war nicht geplant
"Gab keine Entscheidung zum Angriff" auf die Schule
·Kidnapper drehten Video im Turnsaal
TV-Sender zeigt Bilder des russischen Geiseldramas
Der Kreml fährt eine neue Taktik bei der Jagd auf die Drahtzieher des Geiseldramas von Beslan: Auch militante Kämpfer könnten sich das Kopfgeld auf die mutmaßlichen Drahtzieher in der Höhe von umgerechnet 8,2 Millionen Euro verdienen. Moskau versucht als offensichtlich einen Keil zwischen die tschetschenischen Rebellen treiben.
Derweil wurde offenbar der Anführer der Terroristen in Beslan als Ingusche identifiziert, damit drohen neue Spannungen zwischen Nordossetien und Inguschetien. Präsident Wladimir Putin entließ den Geheimdienstchef und den Innenminister von Nordossetien.
Wegen des Terrorakts in Beslan gebe es Spannungen und Konflikte unter den Aufständischen, erklärte Generalmajor Ilja Schabalkin, der Sprecher des FSB in Tschetschenien. Überlebende des Dramas hatten berichtet, dass der Anführer der Geiselnehmer drei Gefolgsleute getötet habe, weil sie gegen die Gefangennahme von Kindern protestiert hätten.
Schabalkin erklärte, sein Dienst sei bereit, mit jedem Informanten zusammenzuarbeiten, auch mit Angehörigen illegaler bewaffneter Gruppierungen. Deren persönliche Sicherheit sei nicht gefährdet, sie könnten die Kopfprämie einstreichen. Unklar war, ob die Rebellen dafür ihre Waffen niederlegen müssten.
Das Kopfgeld aus Moskau wurde auf die Rebellenführer Schamil Bassajew und Aslan Maschadow ausgesetzt. Achmed Sakajew, ein Sprecher des früheren tschetschenischen Präsidenten Maschadow, sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dieser habe mit dem Blutbad nichts zu tun. Er und Maschadow hätten sich während der Krise als Unterhändler angeboten. Die "rücksichtslose Aktion" in Beslan sei ein furchtbarer Schlag gegen alle Tschetschenen, sie habe der Sache der Separatisten mehr geschadet als zehn Jahre finsterster anti-tschetschenischer Propaganda, zitierte das Blatt weiter.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte am Freitag seine Ansicht, die Geiselnahme in Beslan sei von Bassajew angeordnet worden. Doch auch Maschadow sei daran beteiligt. Am Samstag berichtete die Zeitung "Gaseta", der Anführer der Geiselnehmer sei offenbar der Ingusche Ruslan Chuchbarow.
Damit droht die Gefahr, dass die Spannungen zwischen den überwiegend muslimischen Inguschen und den meist christlichen Osseten wieder aufflammen. Beide lieferten sich 1992 Kämpfe mit hunderten Toten. Laut "Gaseta" wurde der Anführer der Terroristen noch nicht unter den identifizierten Toten entdeckt.
Nach Aussage von Staatsanwalt Wladimir Kolesnikow befindet sich der Bandenchef aber unter Todesopfern. Kolesnikow äußerte sich nicht über die Identität des Anführers, Nachrichtenagenturen zitierten ihn aber mit den Worten "Er hat seine verdiente Strafe erhalten und liegt jetzt im Kühlschrank."
Unterdessen entließ Präsident Putin den Chef des Geheimdienstes FSB in Nordossetien, Waleri Andrejew und den Innenminister der russischen Republik Nordossetien, Kasbek Dsantijew, der bereits am vergangenen Sonntag seinen Rücktritt angeboten hatte. Mit dem Schritt reagierte Putin offenbar auf die wachsende Kritik an den Sicherheitskräften, die die Geiselnahme nicht verhindern konnten.
(apa/red)
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