Samstag, 11. September 2004

Russische Justiz bestätigt: Anführer des Geiseldramas von Beslan ist tot

  • Tschetschene bei Sturm auf die Schule getötet
  • Moskau setzt bei Suche nach Führern auf die Anhänger

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas von Beslan waren in den russischen Medien Spekulationen aufgetaucht, der Anführer sei geflohen. Die Generalstaatsanwaltschaft hat diese Berichte nun dementiert. Der Tschetschene Ruslan Chutschbarow sei bei der Erstürmung durch die Polizei vor einer Woche getötet worden, seine Leiche sei identifiziert.

In den Krankenhäusern Nordossetiens sowie Moskaus wurden am Wochenende noch 353 Opfer der Geiseltragödie behandelt, unter ihnen 216 Kinder. Nach Angaben des russischen Gesundheitsministeriums sind bei dem Blutbad in der Schule von Beslan mehr als 1.200 Menschen getötet oder verletzt worden. Die Behörden sprechen von 331 Toten, von denen 90 bisher nicht identifiziert sind.

Nur ein Geiselnehmer hat überlebt<7b>
Von den insgesamt 32 Geiselnehmern überlebte nur ein Mann. Der Terrorist sitze in Untersuchungshaft und sei zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern bereit, teilte die Justiz mit.

Bei der Suche nach den tschetschenischen Rebellenführern Schamil Bassajew und Aslan Maschadow will Moskau indes auch mit Mitgliedern illegaler Gruppierungen zusammenarbeiten. Ein Sprecher des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB sagte der Nachrichtenagentur Interfax am Samstag, auch Mitglieder bewaffneter Untergrundgruppen hätten Anrecht auf das auf
Bassajew und Maschadow ausgesetzte Kopfgeld von umgerechnet gut acht Millionen Euro. Der Sprecher Ilja Schabalchin bezog sich nicht auf bestimmte Gruppen, offenbar will der FSB aber Rebellen, die ihre Führer verraten, belohnen und nicht bestrafen. Moskau sieht Bassajew und Maschadow als Drahtzieher der Geiselnahme an.
(apa/red)

11.9.2004 15:55