Samstag, 11. September 2004

Trennung von siamesischen Zwillingen gescheitert: Tabea starb an Herzschwäche

  • Zwillingsschwester Lea weiter stabil - Entlassung in einigen Wochen oder Monaten möglich

Der hohe Blutverlust und eine Herzschwäche haben zum Tod der kleinen Tabea aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen geführt. Das Siamesische Zwillingsmädchen starb nach Angaben ihrer Ärzte etwa ein bis zwei Stunden, nachdem sie von ihrer Schwester Lea getrennt worden war. Der Zustand der überlebenden Lea war knapp 18 Stunden nach Abschluss der Marathonoperation ernst, aber weiterhin stabil.

Das erklärte der federführende Neurochirurg Benjamin Carson am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in Baltimore. Wenn alles gut ginge, könnte sie möglicherweise schon in einigen Wochen oder Monaten aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die Eltern, Nelly und Peter, waren nicht bei der Konferenz. Sie haben einen Exklusivvertrag mit dem "Stern" abgeschlossen.

Die Ärzte waren laut Carson überrascht vom Tod der einjährigen Tabea. "Wir haben Tabeas Tod nicht erwartet", sagten sie. Dagegen hätten die Eltern der Siamesischen Zwillinge, Nelly und Peter, sehr gefasst auf die Nachricht reagiert. Sie hatten von der Johns Hopkins Universität in Baltimore ein Zimmer in der Klinik zugewiesen bekommen, in dem sie sich während der langen Operation aufhielten.

Unmittelbar nach der Trennung hätten sie ihre beiden Kinder erstmals wieder gesehen. Das Glück dauerte jedoch nur wenige Stunden. Johns-Hopkins-Anästhesistin Deborah Schwengel sagte Journalisten, dass die beiden Babys im Verlauf der Operation mehr Blut verloren hätten, als in ihrem eigenen Körper zirkulieren habe.

Insgesamt kämpften laut Klinik 17 Neurochirurgen, 5 Plastische Chirurgen, 14 Anästhesisten, 42 Krankenschwestern und 22 technische Experten um das Überleben beider Zwillinge. Über die Kosten wurde weiterhin Stillschweigen bewahrt. Es habe einige Spenden gegeben, hieß es.

Carson hatte den schweren Eingriff geleitet, der sich am Mittwoch über gut 18 Stunden erstreckte. Kurz vor Ende der Operation habe Tabeas Zustand plötzlich Eile geboten. Zu jenem Zeitpunkt seien bereits 90 Prozent der gemeinsamen Blutgefäße im Hirn der Mädchen getrennt gewesen, sagte Carson. Aus Sorge um Tabeas Herz hätten die Chirurgen den lebensgefährlichen Eingriff schneller beendet als vorgesehen. Ob dies zu Tabeas Tod beigetragen haben könnte, ließen die Experten offen.

Tabea soll in Lemgo beigesetzt werden
Die nach der Trennung von ihrer Siamesischen Zwillingsschwester gestorbene Tabea soll in ihrer Heimatstadt Lemgo bei Detmold beigesetzt werden. Der Zeitpunkt der Überführung aus den USA nach Deutschland stehe jedoch noch nicht fest, sagte der Leiter der mennonitischen Gemeinde der Familie, Nikolai Reimer, am Freitag. Die Bestattung solle im engsten Familienkreis stattfinden. (apa)

11.9.2004 11:15