Samstag, 11. September 2004

Ein Jahr nach Mord: Schweden gedachte des Todes von Außenministerin Anna Lindh

  • Premier Persson: "Ich verlor die Liebe zur Politik"
  • Psychopath stach Ministerin in Einkaufszentrum nieder

Schweden hat am Samstag der vor einem Jahr gestorbenen Außenministerin Anna Lindh gedacht. Vor dem Kaufhaus in Stockholm, in dem die 46-Jährige niedergestochen wurde, legten hunderte Passanten Blumen nieder. "Dies ist kein leichter Tag, er bringt eine Menge Gefühle wieder hoch", sagte Ministerpräsident Göran Persson im Fernsehsender TV4. Lindhs Tod vor genau einem Jahr komme ihm immer noch völlig "unwirklich" vor. Mit dem tödlichen Anschlag auf die beliebte Politikerin habe er seine "Liebe zur Politik und zu meinem Job" verloren.

Zu einer Gedenkveranstaltung in der Hauptstadt wurde auch der deutsche Außenminister Joschka Fischer erwartet. Ein offenbar psychisch verwirrter Attentäter hatte am 10. September vergangenen Jahres auf Lindh eingestochen, die Ministerin erlag einen Tag später ihren schweren Verletzungen. Das Attentat auf die sozialdemokratische Politikerin hatte Schweden in Schock versetzt. Wegen der zeitlichen Nähe zum wenige Tage später stattgefundenen Referendum über den Euro-Beitritt Schwedens war man zunächst von einer politisch motivierten Tat ausgegangen.

Lindh zählte zu den beliebtesten Politikern des Landes und wurde als mögliche Ministerpräsidentin gehandelt. Die zweifache Mutter war wie bis dahin viele schwedische Politiker ohne Personenschutz einkaufen gegangen. Ein 26-jähriger Mann serbischer Abstammung, Mijailo Mihailovic, gestand die Tat und sagte aus, Stimmen in seinem Kopf hätten ihm befohlen, Lindh zu töten. Er wurde zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt, ein Berufungsgericht ordnete dann aber eine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an. Medien berichteten, Mijailovic habe Lindh gehasst, weil sie den NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 guthieß.

Bereits am Donnerstag wurde in Stockholm eine Glas-Skulptur zum Gedenken an Lindh eingeweiht. Das Glas der drei Meter hohen Skulptur ist so geschnitten, dass sich bei Sonnenschein ein Regenbogen bildet. Sie wurde auf dem Platz errichtet, auf dem Lindh ihre letzte öffentliche Rede hielt.

(apa)

11.9.2004 07:39