Freitag, 10. September 2004

Vor Jahrestag des 11. September - neue
El-Kaida-Botschaft: "USA vor Niederlage"!

  • Experte: Weltweite Terror-Bedrohung hat zugenommen
  • Spaniens Zapatero ruft Koalition im Irak zum Abzug auf

Unmittelbar vor dem dritten Jahrestag der Anschläge des 11. September in den USA hat sich das Terrornetzwerk El Kaida mit einer Botschaft zu Wort gemeldet. Die Vereinigten Staaten stünden im Irak und in Afghanistan am Rande einer Niederlage, sagte der Stellvertreter von Osama bin Laden, Ayman al-Zawahiri (Sawahiri), in von dem katarischen Fernsehsender Al Jazeera ausgestrahlten Aufnahmen am Donnerstagabend. "Die Amerikaner stehen zwischen zwei Feuern: Bleiben sie, bluteten sie aus. Ziehen sie sich zurück, verlieren sie alles."

In Afghanistan seien die US-Truppen "in die Schützengräben" getrieben worden, erklärte Zawahiri. Sie weigerten sich, herauszukommen, um sich direkt den Mujaheddin zu stellen. Die USA und ihre Alliierten müssten permanent mit Märtyrer-Anschlägen rechnen.

Der pakistanische Armeesprecher General Shaukat Sultan, dessen Streitkräfte am Donnerstag nach eigenen Angaben bei einem Angriff auf ein Ausbildungslager 50 Terroristen töteten, sagte am Freitag: "Das Band soll vermutlich die Moral der Terroristen heben, da sie schwere Verluste hinnehmen mussten."

Sollte sich die Echtheit bestätigen, wären es nach Angaben von US-Terrorexperten die ersten Bilder von Zawahiri seit Dezember 2001. Der Mann, der in dem Video zu sehen ist, trägt eine schwarze Weste über einem weißen Gewand, ein Brille und einen Bart. Ein Sturmgewehr lehnt hinter ihm an der Wand. Die Ära der Sicherheit für Amerika sei vorüber, erklärt der Mann mit Blick in die Kamera. Diese Ära kehre erst zurück, wenn Washington die Verbrechen an Moslems im Irak, in Afghanistan und Palästina beende.

Es gebe US-Pläne, die arabische und die islamische Welt "auseinander zu reißen", etwa auf der arabischen Halbinsel, in Ägypten und im Sudan in der Krisenregion Darfur, heißt es in der Rede weiters. Der Moderator von Al Jazeera kommentierte, der Hinweis auf Darfur belege, dass das Band neueren Datums sei.

In den beiden vergangenen Jahren hatte Al Jazeera jeweils am 10. September ein Tonband mit der Stimme Bin Ladens ausgestrahlt. US-Geheimdienstbeamte sollen nun prüfen, ob es sich bei der Stimme auf dem jüngsten Videoband tatsächlich um jene Zawahiris handelt. Al Jazeera teilte mit, von dem insgesamt zwölfminütigen Band würden lediglich zwei Minuten "mit Nachrichtenwert" gesendet. Über den Inhalt des ungesendeten Materials wollte der Sender keine Angaben machen.

Der deutsche Terrorismus-Forscher Rolf Tophoven betonte unterdessen, die weltweite Bedrohung durch Terroristen habe seit dem 11. September eher zugenommen. "Nach dem damaligen terroristischen Supergau in den USA ist die Welt trotz des allerorts geführten und auch immer wieder herbeigeredeten Kampfes gegen den Terrorismus nicht sicherer geworden - im Gegenteil", sagte Tophoven am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Düsseldorf. "Die Internationale des militanten islamistischen Terrors ist weltweit vernetzt, handlungsfähig und jederzeit zu einem Anschlag bereit."

Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero rief die Länder der US-geführten Koalition auf, dem Beispiel Spaniens zu folgen und sich ebenfalls aus dem Irak zurückzuziehen. Eine friedliche Lösung des Konflikts sei nur auf dem Wege des Dialogs möglich, nicht durch einen Krieg, betonte Zapatero. Spanien hatte seine 1.300 Soldaten wenige Monate nach dem Wahlsieg der Sozialisten (PSOE) im vergangenen März abgezogen.

Der australische Regierungschef John Howard wies seinerseits Forderungen nach einem Rückzug aus dem Irak zurück. "Wir werden unsere Außen- oder Sicherheitspolitik nicht von terroristischen Drohungen bestimmen lassen", sagte Howard am Freitag. Zuvor hatte sich die Islamistengruppe Jemaah Islamiyah auf einer Website zu dem Anschlag auf die australische Botschaft in Jakarta am Donnerstag mit neun Toten bekannt.

Die Kämpfe im Irak gingen unterdessen weiter. Bei Zusammenstößen zwischen US-Truppen und Aufständischen in der nordirakischen Stadt Tal Afar seien in der Nacht auf Freitag 45 Menschen getötet und 80 weitere verletzt worden, berichteten Krankenhausärzte am Freitag in der 70 Kilometer westlich von Mosul (Mossul) gelegenen Stadt. US-Truppen hatten am Donnerstag eine Offensive gestartet, um die Kontrolle der irakischen Regierungsorgane über die von Aufständischen beherrschte Stadt wiederherzustellen. (apa)

10.9.2004 14:05