Freitag, 10. September 2004

Bereits 30 Menschen in den Tod gerissen: Gewaltiger Hurrikan "Ivan" erreicht Jamaika

  • 230 km/h Windgeschwindigkeit: Florida und Kuba zittern

Der als extrem gefährlich eingestufte Hurrikan "Ivan", der in der Karibik bereits mehr als 30 Menschen in den Tod gerissen hat, nahm am Freitag Jamaika in den Griff. Intensiver Regen und kräftige Winde kündigten zu Mittag (Ortszeit) den Wirbelsturm an. Das Auge des Hurrikans befand sich noch rund 225 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kingston. Mit der vollen Wucht des Sturmes wurde am späten Abend gerechnet. Am Freitag erreichte er Windgeschwindigkeiten von 230 Kilometern pro Stunde.

Die Straßen von Kingston waren am Freitag weitgehend ausgestorben. Schon am Donnerstag waren die meisten Schaufenster mit Holzplatten vernagelt worden. Hunderte Touristen hatten noch versucht, Jamaika mit den letzten Flügen zu verlassen. Am Freitag wurden alle Flüge gestrichen. Zudem kam es in Supermärkten und Tankstellen in Kingston zu Versorgungsengpässen. Die Zivilschutzbehörde forderte alle Bürger auf, ihre Häuser nicht mehr zu verlassen. Das Rote Kreuz beklagte, dass sich in Port Royal und Portmore, Vororten der Hauptstadt, viele Bürger weigerten, den Evakuierungsanordnungen Folge zu leisten.

Auch auf der Nachbarinsel Kuba und im US-Bundesstaat Florida liefen die Katastrophenschutzvorbereitungen. In Florida wurden zum dritten Mal binnen vier Wochen Evakuierungen angeordnet. Dort mussten die rund 80.000 Einwohner der Keys, einer rund 200 Kilometer langen Inselkette vor der Südküste, am Freitag aufs Festland fahren. In den vergangenen Wochen war Florida bereits von den Wirbelstürmen "Charley" und "Frances" heimgesucht worden. "Ivan" wird dort am Montag erwartet. Auch Kuba, wo "Charley" fünf Menschenleben gefordert hatte, bereitete Evakuierungen vor. Gefährdet war auf Kuba auch der Badeort Varadero.

"Ivan", der Anfang September im Atlantik entstanden war, hatte am Dienstag die Karibikinsel Grenada verwüstet. Medienberichten zufolge kamen mindestens 24 Menschen ums Leben. Rund 90 Prozent aller Häuser der Hauptstadt St. George's wurden zerstört oder beschädigt. Premierminister Keith Mitchell, der seine Residenz einbüßte, musste zeitweilig auf dem britischen Kriegsschiff "Richmond"" Unterschlupf suchen. Nach massiven Plünderungen verhängte die Regierung eine nächtliche Ausgangssperre. (apa/red)

10.9.2004 07:56