Heute Prozessstart gegen mutmaßlichen
NS-Kriegsverbrecher in München
- Angeblich für drei Massaker in der Slowakei verantwortlich - Hinrichtung von 164 Menschen
Fast 60 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus hat am Donnerstag in München einer der letzten Prozesse gegen einen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher begonnen. Der 86-jährige Ladislav Niznansky muss sich wegen Mordes und gemeinschaftlichen Mordes an insgesamt 164 Menschen vor dem Schwurgericht in Bayern verantworten.
Als Kommandant einer Abwehrgruppe der SS zur Partisanenbekämpfung soll er Anfang 1945 an drei Massakern in der Slowakei teilgenommen haben. Der Angeklagte bestritt am ersten Verhandlungstag die Vorwürfe. Beim Betreten des Gerichtssaales sagte er vor Journalisten: "Ich bin unschuldig."
Mitglieder der slowakischen "Abwehrgruppe Edelweiß" hatten im Jänner 1945 in den Dörfern Ostry Grun und Klak 146 Männer, Frauen und Kinder zusammengetrieben und erschossen. Niznansky soll der Anklage zufolge befohlen haben, niemanden lebend entkommen zu lassen. Das jüngste Opfer sei drei Monate, das älteste 89 Jahre alt gewesen. Niznansky habe sich willkürlich als Herr über Leben oder Tod aufgespielt und mindestens 20 Personen mit seiner Maschinenpistole selbst ermordet. Ablauf und Dauer der Erschießungen offenbarten eine unbarmherzige, gefühllose Gesinnung.
Einige Tage später habe die "Edelweiß"-Gruppe in Ksina 18 jüdische Männer, Frauen und Kinder erschossen, die sich dort in einem Wald versteckt hatten. Niznansky habe das Hinrichtungskommando zusammengestellt. Niznansky bestreitet alle Vorwürfe gegen ihn. Er sei in die Abwehrgruppe praktisch gezwungen worden, aber nach eigenen Angaben nie gegen Frauen oder Kinder vorgegangen, erklärte sein Verteidiger Steffen Ufer. Der Hauptbelastungszeuge habe seine Aussage nach Jahrzehnten plötzlich geändert. Überlebende der Massaker hätten Niznansky entlastet.(apa)
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