Wieder blutige Kämpfe in Bagdad: Mindestens 34 Tote, fast 200 Verletzte
- Gefechte zwischen US-Soldaten und Milizen von Al Sadr
- Zuvor gab es Anschlag auf Gouverneur von Bagdad
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Der Irak kommt nicht zur Ruhe: Bei neuen heftigen Gefechten im Bagdader Schiiten-Viertel Sadr sind mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen. Fast 200 Menschen wurden bei den Kämpfen zwischen US-Soldaten und Anhängern des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr verletzt, wie das irakische Gesundheitsministerium mitteilte. Zuvor war im Westen Bagdads ein Anschlag auf Gouverneur Ali al Haidri verübt worden. Der Politiker blieb nach Behördenangaben unverletzt, zwei Menschen in der Nähe wurden jedoch getötet.
Die Kämpfe in Sadr begannen, nachdem Aufständische mehrere US-Soldaten auf Routine-Patrouillen angegriffen hätten, wie Militärsprecher Brian O'Malley mitteilte. Das Gesundheitsministerium berichtete von 33 Toten und 193 Verwundeten. Zudem wurde laut O'Malley ein US-Soldat getötet, mehrere erlitten Verletzungen. US-Panzer rückten in das Viertel ein, mehrere Kampfflugzeuge kreisten über den Straßen. Anwohnern zufolge waren die ganze Nacht auf Dienstag laute Explosionen und Gewehrfeuer zu hören.
In den vergangenen Tagen hatte in dem verarmten Viertel, in dem etwa zwei Millionen Menschen leben, relative Ruhe geherrscht. Schiitenführer Sadr hatte in der vergangenen Woche seine Anhänger aufgerufen, ihre Kämpfe überall im Land einzustellen. Vor zehn Tagen stimmte er einem Friedensabkommen zu, mit dem der dreiwöchige Aufstand in der Pilgerstadt Najaf formell beendet wurde. Darin wurde den Kämpfern seiner "Mahdi"-Miliz freies Geleit zugesichert. Beobachter vermuten, dass viele Milizionäre daraufhin nach Sadr zogen, wo sie eine weitere Hochburg haben. Verhandlungen für einen Waffenstillstand in Sadr City, das nach Sadrs Vater benannt ist, waren gescheitert.
Anschlag auf Gouverneur von Bagdad
Im Westen Bagdads eröffneten Bewaffnete am Dienstagmorgen das Feuer auf den Konvoi von Gouverneur Al Haidri, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Wenige Sekunden später sei in der Nähe der Fahrzeugkolonne eine Autobombe explodiert. Zwei Menschen seien getötet worden, drei Leibwächter des Politikers hätten Verletzungen erlitten.
4 US-Soldaten getötet
In und nahe der Hauptstadt wurden nach Angaben der Streitkräfte erneut vier US-Soldaten getötet. Erst am Montag waren bei einem Anschlag in Falluja sieben Marineinfanteristen ums Leben gekommen. Seit Beginn des Irak-Krieges im März 2003 wurden nach Zählungen der Nachrichtenagentur AP damit bereits 995 US-Soldaten getötet.
Sohn des Gouverneurs der Provinz Nineveh erschossen
In der nordirakischen Stadt Mossul wurde der Sohn des Gouverneurs der Provinz Nineveh erschossen, wie Krankenhausmitarbeiter erklärten. In Bagdad wurde laut Gesundheitsministerium der stellvertretende Leiter eines Krankenhauses getötet. In Kerbala beschlagnahmten polnische und irakische Sicherheitskräfte nach Militärangaben ein Waffen- und Munitionslager.
Die Extremistengruppe Tauhid und Dschihad des Jordaniers Abu Mussab al Sarkawi bekannte sich unterdessen zu mehreren Selbstmordanschlägen in den vergangenen Tagen. Neben dem Anschlag in Falluja am Montag sei die Gruppe auch für einen Angriff auf eine Polizeischule in Kirkuk mit 20 Toten verantwortlich, hieß es in einer im Internet verbreiteten Erklärung.
Kerry will Soldaten aus dem Irak abziehen
Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, John Kerry, will die US-Soldaten innerhalb von vier Jahren aus dem Irak abziehen. "Mein Ziel ist es, sie möglichst in meiner ersten Amtszeit nach Hause zu holen", sagte Kerry bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Staat Pennsylvania. "Es ist der falsche Krieg am falschen Ort zur falschen Zeit."
(apa/red)
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