Weiter Funkstille aus dem Vatikan: Noch keine Bekanntgabe zu Krenn-Rücktritt
- Rom: Bischof soll Papiere bereits unterzeichnet haben
- PLUS: Wer wird Krenns Nachfolger in St. Pölten?
·Rätselraten um Krenns Nachfolge!
Viele Namen im Spiel, keine Signale aus Rom
·Ermittlungen gegen
Paterno bestätigt!
Auch gegen einen zweiten Geistlichen wird ermittelt
·Pater Paterno: "Ich bin geschockt"
TV-Kaplan weist Vorwürfe als 'absurd' zurück
Der Vatikan schweigt weiter zu dem seit Freitag vergangener Woche angekündigten Rücktritt des St. Pöltner Diözesanbischofs Kurt Krenn. Auch im Bulletin des Heiligen Stuhls am Dienstag ist Krenn kein Thema. Am Mittwoch begeht Krenn den 13. Jahrestag seines Amtsantritts als Diözesanbischof von St. Pölten. Nach Angaben von Krenns Sekretär Michael Dinhobl wird der Bischof den morgigen Jahrestag zurückgezogen begehen. Er werde in der Privatkapelle des Bischöflichen Palais eine Messe zelebrieren.
Der Feldkircher Bischof Klaus Küng, der nach dem Auffliegen der Sex- und Kinderporno-Affäre am St. Pöltner Priesterseminar vom Papst zum Apostolischen Visitator von St. Pölten ernannt worden war, hält sich seit Montag wieder in St. Pölten auf.
Caritas-Chef rechnet fix mit Krenns Rücktritt
Caritas-Präsident Franz Küberl geht davon aus, dass der Rücktritt des St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn in den nächsten Tagen erfolgt. Er sei überzeugt, "dass die Annahme des Rücktritts bevor steht", meinte Küberl am Sonntag in einem TV-Interview. Dass sich der Vatikan mit einer Entscheidung noch Zeit lässt, sind für Küberl "vatikanische Rituale, die selbst für unsereiner nicht klar durchschaubar sind". Dafür verlautete aus Kirchenkreisen, dass Krenn während seines Rom-Besuchs sein Rücktrittsgesuch bereits unterzeichnet haben soll. Eine offizielle Bestätigung dazu gibt es bislang nicht.
Wann der Vatikan den Rücktritt Krenns offiziell verkünden wird, ist indessen noch unklar. Die katholische Presseagentur Kathpress hatte am Freitag unter Berufung auf römische Kirchenkreise berichtet, der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, habe Krenn den Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen nahe gelegt. Nun wird damit gerechnet, dass der Rücktritt in den nächsten Tagen offiziell wird.
Küberl "froh, dass das Ganze öffentlich geworden ist"
In St. Pölten seien zwei "entsetzliche" Dinge geschehen, meinte Küberl in der ORF-Pressestunde. Einerseits das Ausnützen eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen dem Regens des St. Pöltener Priesterseminars und den Alumnen. "Das ist, denke ich, aufgedeckt worden." Das zweite sei das Herunterladen kinderpornografischer Bilder durch einen Alumnen gewesen. Er sei "heilfroh, dass das Ganze öffentlich geworden ist" und in einer transparenten Form geregelt worden sei, betonte Küberl.
"Wechselbad"
Für einen Katholiken seien die vergangenen Wochen und Monate ein "Wechselbad" gewesen, gestand Küberl ein. Die katholische Kirche habe aber mit dem mitteleuropäischen Katholikentag, mit den "sensiblen und präzisen" Aussagen von Kardinal Christoph Schönborn bei den Trauerfeiern für den verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil und mit Schönborns klaren Stellungnahmen zur Causa St. Pölten "in beachtlicher Form Tritt gefasst".
Küberl sieht gute Chancen auf "Neubeginn"
Küberl sprach in diesem Zusammenhang von einem "Reinigungsprozess". "Ich denke, dass damit auch ein guter Neubeginn möglich ist. Ich denke, dass da die Chancen sehr gut sind." Auf die Frage, ob angesichts der Tatsache, dass Krenn ein Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen nahe gelegt wurde, ein solcher auch für den gesundheitlich angeschlagenen Papst in Frage komme, wollte der Caritas-Präsident keine Beurteilung vornehmen: "Das kann ein kleiner katholischer Sozialhelfer in Österreich nicht für die Weltkirche klären."
Kein Kommentar zur Nachfolgefrage
Nicht kommentieren wollte Küberl, wer Krenn nachfolgen könnte: "Dieses Spekulationsfeld überlasse ich anderen." Auch die Anschuldigungen gegen Kaplan August Paterno könne er nicht beurteilen, weil er die Opfer nicht kenne. Es sei aber wichtig, die Opfer ernst zu nehmen. So lange das Verfahren laufe, "ist, denke ich, von anderen nichts dazu zu sagen". Priorität müsse jedenfalls der Schutz der Opfer haben, betont Küberl. (apa/red)
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