Freitag, 10. September 2004

Spekulationen um Krenn-Nachfolge: Küng,
Schwarz oder Überraschungskandidat?

  • Rücktritt des St. Pöltner Bischofs ist noch nicht offiziell, aber höchstwahrscheinlich nur eine Frage der Zeit

Entgegen allen Prognosen hat sich der Vatikan am Samstag noch nicht zum erwarteten Rücktritt des St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn (68) geäußert. Die Ablöse dürfte allerdings schon beschlossene Sache sein, einzig der Zeitpunkt ist noch offen. Unterdessen beginnen schon die Spekulationen um die Nachfolge Krenns. Als mögliche Kandidaten für St. Pölten genannt werden der Abt von Heiligenkreuz, Georg Henckel-Donnersmarck, der Kärntner Bischof Alois Schwarz und der Wiener Weihbischof Ludwig Schwarz. Auch der als Visitator eingesetzte Klaus Küng soll im Gespräch sein.

Neben den "üblichen Verdächtigen", die in letzter Zeit vor jeder Bischofsernennung genannt wurden, wird in Kirchenkreisen nicht ausgeschlossen, dass wieder ein "Überraschungskandidat" ausgewählt wird - wie bei der Nachbesetzung der Diözese Innsbruck.

Henckel-Donnersmarck (61) wird seit Jahren bei fast jeder Bischofsernennung als Kandidat "gehandelt". Der adelige Zisterzienserpater ist Spätberufener und gilt als gemäßigt konservativer Kirchenmann. Als 34-Jähriger gab er seinen Job als Topmanager auf und trat in das Zisterzienserstift Heiligenkreuz südlich von Wien ein, wo er seit 1999 als Abt tätig ist.

Alois Schwarz (52) ist seit 2001 Bischof von Klagenfurt. Der Pastoraltheologe war zuvor Weihbischof in Wien. Sein Nachfolger in dieser Funktion wurde 2001 der Salesianerpater Ludwig Schwarz (64). Beide gelten ebenfalls als mögliche Krenn-Nachfolger.

Küngs Sekretär: "Warten auf weitere Entscheidungen"
Von der römischen Zentrale weiterhin noch nicht über die weitere Vorgangsweise informiert ist auch der Apostolische Visitator in St. Pölten, der Vorarlberger Bischof Klaus Küng. "Wir haben inzwischen aus Rom nichts gehört. Es wurde uns nichts mitgeteilt. Wir warten auf weitere Entscheidungen oder Schritte", sagte Küngs Sekretär Bernhard Augustin am Samstag auf Anfrage der APA. Küng hält sich derzeit noch in seiner Diözese in Vorarlberg auf. Es sei geplant, in den nächsten Tagen nach St. Pölten zurückzukehren und die Visitation fortzusetzen, so Augustin.

Krenn nach Rückkehr: "Entschluss fasst der Papst"
Die Erwartungen für einen baldigen Rücktritt Krenns waren am Freitag geschürt worden. Gegen Abend hatte die katholische Nachrichtenagentur Kathpress unter Berufung auf römische Kirchenkreise berichtet, der Vatikan habe dem Bischof den Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" nahe gelegt. Der zuständige Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, habe in diesem Sinn mit Krenn gesprochen.

Krenn selbst hatte sich am Donnerstag und Freitag tatsächlich in Rom aufgehalten. Bei seiner Rückkehr nach Österreich Freitag nacht hat er sich dann aber nur zurückhaltend geäußert. "Den Entschluss fasse ich nicht, sondern der Papst. Und alles andere ist zweitrangig", sagte er vor wartenden Journalisten. Dass der Vatikan ihm den Rücktritt nahe gelegt habe, könne er nicht bestätigen.

Ebenfalls am Freitag hatte es dann geheißen, der Rücktritt könnte bereits am Samstag im "Bollettino" des päpstlichen Presseamtes, dem Organ für offizielle Mitteilungen, veröffentlicht werden. Statt des Rücktritts des umstrittenen Oberhirten fanden sich in den Verlautbarungen dann aber lediglich Berichte über einen "Ad Limina"-Besuchs einer Delegation US-amerikanischer Bischöfe bei Papst Johannes Paul II., eine Grußbotschaft anlässlich eines internationalen Marienkunde-Kongresses, Berichte über die Ernennung eines Bischofs für eine mexikanische Stadt Tuxtla Gutierrez und eines päpstlichen Sondergesandten zu Feierlichkeiten im Gedenken an den heiligen Benedikt von Benevento sowie ein Protest gegen die Verhaftung von Priestern in der Volksrepublik China.

(apa/red)

10.9.2004 10:34