Wieder herrscht Angst in Umhausen: Nach "Todesliste" wieder seltsames Schreiben
- Mutmaßliche Verfasserin der ersten "Todesliste" widerrief Geständnis: Psychopharmaka eingenommen
Am Anfang des Jahres war ein ganzes Dorf in Todesangst: In Umhausen war eine "Todesliste" aufgetaucht, die das Leben der Bevölkerung bedrohte. Der Fall galt als gelöst, als die mutmaßliche Verfasserin ein Geständnis unterschrieb. Doch jetzt hat sie ihre Aussage widerrufen. Unter anderem verwies die Frau darauf, dass sie vor dem Geständnis Psychopharmaka zu sich genommen habe. Ihr Anwalt versucht Widersprüche bei den Ermittlungen aufzuzeigen. Ein Prozess könnte noch heuer folgen. Unterdessen versetzt ein neues Schreiben die Bevölkerung in Angst & Schrecken.
Im 3.100 Einwohner zählenden Umhausen tauchte erst vor wenigen Tagen erneut ein seltsames Schreiben auf. Im Gemeindebriefkasten wurden alte, auf Notenpapier aufgeklebte Zeitungsartikel zum Fall Gatterer gefunden. Darin steht unter anderem neben einem Foto von Gendarmerieermittler Joe Lechner das Wort "Saddam".
Zwei Jahre herrschte Psychoterror im Ötztaler Ort Umhausen, das normalerweise mit dem größten Wasserfall Tirols und einem Ötzidorf Aufmerksamkeit erregt. Internationale Fernsehteams und Journalisten aus dem deutschsprachigen Raum hatten im Winter berichtet. Am 11. Februar 2004 unterschrieb Sabine Gatterer (41) schließlich das 17-seitige Geständnis, von dem sie sich in der Donnerstagausgabe der Tiroler Tageszeitung nun distanzierte. Sie galt als zentrales Opfer der anonymen Drohungen.
Auf einer "Todesliste" waren 25 Vornamen genannt worden. Lange Zeit tappten die Kriminalisten im Dunklen.
Rechtsanwalt Patrick Ruth verwies auf Unstimmigkeiten bei geführten Telefonaten. Außerdem gebe es ein Hypnosegutachten, das seine Mandantin entlaste.
Nach dem Erhebungsstand der Gendarmerie hatte die mutmaßliche Täterin den Verdacht bewusst auf sich gelenkt. Dazu zählten die Brandstiftungen und die Attacke mit der Häkelnadel. Auslöser soll die Nicht-Versetzung eines Buben sein, welcher der mutmaßlichen Täterin aus der Kindergartenzeit ihrer beiden - adoptierten - Kinder in Erinnerung gewesen sei. Damals habe dieser Bub ihre Tochter belästigt. Die Frau habe eine Fortsetzung dieser Hänseleien befürchtet.
Seit 2001 war der Ort mit anonymen Briefen terrorisiert worden. Im August 2003 war dann das Schreiben mit dem Vermerk "Todesliste" aufgetaucht. Es enthielt 25 Vornamen. Im Dezember wurden schließlich vier Briefe mit Todesdrohungen entdeckt. Als Datum war der 2. Februar 2004 vermerkt.(apa/red)
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