Keine Einigung zwischen Metallern und GPA: Gewerkschaftsfusion ist geplatzt!
- Offizieller Grund für das Scheitern Streit über geschäftliche Tätigkeiten der GPA
Was vor drei Jahren mit großen Worten begann, ist am Mittwoch kläglich gescheitert. Die Gewerkschafts-Fusion rund um Metaller und Privatangestellte (GPA) wurde nach dem ÖGB-Präsidium offiziell abgeblasen. Die Vorsitzenden der betroffenen Teilorganisationen fanden es dabei nicht der Mühe Wert, selbst über das Aus zu informieren. Stattdessen lag es wieder einmal an ÖGB-Präsident Verzetnitsch, die schlechten Nachrichten zu verkünden.
Offiziell wurde nur ein Grund für das Scheitern genannt - nämlich, dass sich Metaller, Drucker und Agrar-Nahrung-Genuss nicht mit den geschäftlichen Aktivitäten der GPA, die unter anderem den Betrieb einer nicht gerade erfolgreichen Shopping-Mall beinhalten, anfreunden könnten. Dies gehöre nicht zum Kerngeschäft einer Gewerkschaft, lautete das von Verzetnitsch vorgetragene Argument, das übrigens auch vom ÖGB geteilt wird.
Andere Motive für das Platzen der Fusion ließ der ÖGB-Chef nicht gelten, obwohl sie auf der Hand lägen. Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass Funktionäre aus der zweiten Reihe bei Metallern und GPA das Projekt immer stärker torpedierten, weil sie um Macht und Posten fürchteten. Auch das mehr als gespannte Verhältnis der Vorsitzenden Hans Sallmutter (GPA) und Rudolf Nürnberger (Metall) sowie die unterschiedliche Unternehmenskultur zwischen den Arbeitergewerkschaften und der Angestellten-Gewerkschaft dürften eine Rolle gespielt haben.
Danach fragen konnte man die Vorsitzenden nicht. Nürnberger verwies bloß auf die Erklärungen des Präsidenten und Sallmutter ließ sich vor den Journalisten gleich gar nicht blicken. Verzetnitsch wollte im Scheitern der Fusion "keinen Beinbruch" erkennen. Schließlich hätten alle Beteiligten versichert, dass sie weiter eng zusammenarbeiten würden - und wolle man so ein ambitioniertes Projekt durchführen, müssten es eben sämtliche Funktionäre und Mitglieder in allen Konsequenzen mittragen.
Wie es jetzt weitergeht, ist vorerst unklar. Wahrscheinlich ist, dass Metaller und ANG ihren (eigentlich überholten) Fusions-Beschluss nun wieder aufleben lassen. Ob es zu weiteren Kooperationen abseits des anderen Gewerkschafts-Blocks Infra (rund um Gemeindebedienstete, Eisenbahner) kommt, ist nicht absehbar. Zumindest in nächster Zeit dürfte sich in diese Richtung nichts Größeres tun.
Verzetnitsch vermied es bei der Präsentation des Scheiterns übrigens, Genugtuung auszudrücken. Es gehe hier nicht um persönliche Befindlichkeiten, betonte er mehrfach. Hätte der ÖGB-Chef im Stillen etwas gelächelt, dürfte das niemanden wundern. Schließlich hatten ihn Sallmutter und Nürnberger vor drei Jahren mit ihren Geheimabsprachen schlecht aussehen lassen und auch sein (von den meisten als sinnvoller erachtetes) Projekt von acht Branchen-Gewerkschaften vorerst zu Fall gebracht.
Ob diese Art der Neu-Organisation nun Chancen hat, bleibt abzuwarten. Leicht wird es für die Befürworter nicht, da eine solche Umstrukturierung das Ende der (mitglieder)starken GPA zur Folge hätte. Dementsprechend waren es auch die Privatangestellten, die sich am wenigsten mit dem Scheitern des Großgewerkschafts-Projekts anfreunden konnten. Zumindest ließ sich das aus den Worten Verzetnitschs ablesen. Als nächsten Schritt plant die GPA im Sommer kommenden Jahres den Umzug in ein neues Haus in Wien-Erdberg. Nach dem Absprung der anderen Gewerkschaften wird man sich nun nach neuen Mit-Mietern umsehen müssen.
(apa)
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