NEWS: Österreichs Autobahnen sind kaputt - Altes Material und LKW sind schuld
- Große Straßennetz-Abschnitte sanierungsbedürftig
- Auch im Winter muss jetzt wieder repariert werden

·Wieder Staus auf Österreichs Straßen
Unfälle und Ferien-Ende sorgen für Blechkolonnen
·Der große NEWS Baustellen-Guide!
Achtung Autofahrer: Wann heuer wo gebaut wird!
·STAU-CAMS: Alle Autobahnen live dabei!
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Der Augustregen brachte Autofahrern am vergangenen Sonntag keinen Segen. Vielmehr verwandelte er die Westautobahn bei Salzburg in einen rutschigen Eislaufplatz. Die Folgen waren kilometerlange Staus und Unfälle durch nicht angepasste Geschwindigkeit, zwei Tote und fünfzehn zum Teil schwer verletzte Personen.
Egal ob Brenner-, Tauern-, Süd- oder eben die Westautobahn und die Wiener Südosttangente - die Situation ist überall ähnlich: "Wenn es nach zwei Wochen Trockenheit regnet, verwandelt der angesammelte Reifenabrieb die Fahrbahnen blitzartig zu einer schleimigen Rutschbahn", erklärt Veronika Roscher von Arsenal Research, wo der Zustand der heimischen Straßen akribisch erhoben wird.
Kaputtgefahren
Unzählige Baustellen, die zur Sanierung der "Rutschbahn" dienen, stellen die Geduld der Verkehrsteilnehmer auf eine harte - scheinbar niemals enden wollende - Stau-Probe. Fakt ist: Große Abschnitte des österreichischen Schnellverkehrsnetzes sind kaputt und müssen dringend repariert werden. Ein Umstand, der einen besonnenen Fahrstil der Straßenbenutzer fordert und nur allzu oft übersehen wird. "Fatal ist, dass die fehlende Griffigkeit mit bloßem Auge kaum festgestellt werden kann", analysiert Roscher. "Wenn man ins Rutschen kommt, ist es meist zu spät!"
Die Folgen dieser Fehleinschätzung sind oft letal: Im Schnitt müssen zwei Menschen pro Woche ihr Leben auf den Hauptverkehrsadern lassen. Abseits des Blutzolls sorgen Wartezeiten und Staus bei den Autobahnbaustellen für verständliche Aufregung. Im heurigen Sommer wurde es für Autofahrer etwa auf der A2 bei Mooskirchen und Modriach und auf der A10 vor dem Katschbergtunnel eng.
Auch im Winter Stau
Das Stauchaos wird auch nach Ende der Sommerreisezeit in ähnlichem Umfang weitergehen: Auf den 2.000 österreichischen Autobahnkilometern ist an 25 Stellen Sanierung dringend notwendig. "Viele Autobahnabschnitte sind bereits 30 Jahre alt oder älter", erklärt Franz Lückler, Vorstandsdirektor der Asfinag (Autobahn und Schnellstraßenfinanzierungs AG), "da nützt eine neue Asphaltdecke nichts - in diesen Fällen muss eine komplett neue Straße errichtet werden ..."
High-Tech-Gerät "Roadstar"
Um ein Gesamtbild des Zustands der Hauptverkehrsadern zu bekommen und so die "renovierungsbedürftigsten" Stellen exakt ermitteln zu können, setzt die Asfinag derzeit auf den heimischen Straßen das modernste Straßenanalysegerät Europas ein: Den "Roadstar". Der sonnengelbe High-Tech-Untersuchungswagen checkt die Oberflächen der heimischen Autobahnen und liefert unmittelbar ein umfassendes Bild mit den wichtigsten Eckdaten: Griffigkeit, Spurrinnentiefe, Quer- und Längsneigung sowie die Kurvenradien. Das Ergebnis wird an eine zentrale Datenbank geliefert, die die Details auswertet und so den Zukunftsbauplan der Asfinag vorgibt.
Altlasten und Brummis
Die Gründe für den katastrophalen Zustand der heimischen Autobahnen sind freilich vielfältig:
Brösel-Schotter: Viele Autobahnen in Ostösterreich, die vor Mitte der 80er Jahre gebaut wurden, sind definitiv sanierungsbedürftig. Grund dafür ist der seinerzeit verwendete Kalkschotter, der unter Regen zusätzlich zum Reifenabrieb für eine schlüpfrige Straßenoberfläche sorgt. Anton Plimon, Chef von Arsenal Research: "Hier entsteht eine Straßenoberfläche, die fast einer Schneefahrbahn entspricht."Auf diesen Autobahnstücken multipliziert sich das Unfallrisiko bei Nässe mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Folgen: viele Highspeed-Unfalltote. Daher forciert die Asfinag auch den Neubau dieser Strecken.
Rollende Tonnen: Der größte Straßenkiller ist allerdings der Schwerverkehr - und hier vor allem die zunehmende Überladung der dicken Brummer. "Wenn ein 18-Tonner um 20 Prozent überladen ist, erhöht sich die Beanspruchung der Straße auf das Doppelte", fasst Johann Litzka, Professor für Straßenbau an der TU Wien, das Schwerverkehrsproblem zusammen. Im ersten Halbjahr wurden von der Lkw-Kontrollplattform in ganz Österreich 36.000 Brummis kontrolliert. Ergebnis: Für 1.800 schwerst Überladene war die Fahrt sofort zu Ende.
Verkehrsinfarkt: Im letzten Jahrzehnt hat sich der Lkw-Verkehr auf gewissen Streckenabschnitten verdreifacht. Spitzenreiter ist eindeutig die A1 bei Haid in Oberösterreich: An Werktagen verlangen 18.800 Lkw der Westautobahn alles ab. Die zweithöchste Belastung wurde auf der A23 mit täglich 15.840 Lkws beim Laaerbergtunnel festgestellt. Dicht gefolgt von der Messstation Praterbrücke mit 14.495 Brummis. "Die Beanspruchung der Straße nimmt nicht linear zum Gewicht der Fahrzeuge zu. Bei einer Radlast von zehn Tonnen steigt sie auf das 16fache von einem Fünftonner an", sagt Johann Litzka. Zudem prophezeit der Verkehrsclub Österreich bis 2010 eine Verdoppelung des Lkw-Verkehrs auf den Hauptrouten.
High-Risk-Raser: Durch jahrelange detaillierte Aufzeichnungen der Road-Safety-Inspection konnten die gefährlichsten Punkte anhand der Unfallhäufigkeit ermittelt werden. Vordringliches Anliegen der Verantwortlichen ist es nun, diese zu "entschärfen und zu beruhigen".
Milliarden-Investments
Um die Gefahrenquellen auf den heimischen Autobahnen zu minimieren, wird auch im Winter durchgebaut. Noch nie wurde so viel Geld in die Betondecken gesteckt wie heuer: "Mit rund 320 Millionen Euro ist der Quantensprung in der Sanierungsqualität garantiert", verspricht Asfinag-Chef Lückler. "Mit der Länge und der Anzahl der Baustellen ist man wahrscheinlich an den Grenze des für den Verkehr Erträglichen angelangt." Erst 2008 werden alle 320 Straßenkilometer der A1 generalsaniert sein. "Dann sollte es aber auf der Westautobahn für einige Jahre keine Baustelle mehr geben", stellt Asfinag-Chef Lückler in Aussicht.
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