Montag, 30. August 2004

ÖAMTC: Gefahren durch Airbags bei Kindersitz-Montage am Beifahrerplatz

  • Luftsack öffnet sich mit 200 km/h - Verletzungsgefahr!
  • Autofahrer-Klub testet verschiedene Abschaltsysteme

Mit mehr als 200 Stundenkilometern öffnet sich der Airbag bei einem Crash. Trifft der Luftsack auf einen auf dem Beifahrersitz montierten Kindersitz, sind schwere Verletzung für das Kleinkind die Folge. "Der sicherste Platz für Kinder im Auto ist der Rücksitz. Muss das Kind aber auf dem Beifahrersitz mitgenommen werden, ist der Beifahrerairbag zu deaktivieren", sagt ÖAMTC-Techniker Franz Peleska.

Der ÖAMTC hat in einem Test die Praxistauglichkeit verschiedener Abschaltsysteme unter die Lupe genommen. Geprüft wurden die automatische Airbagabschaltung, die Deaktivierung durch die Autowerkstatt und die manuelle Abschaltung durch den Autolenker.

Abschaltung durch Schlüssel
Beim Großteil der Fahrzeuge kann der Airbag per Schlüssel oder Schalter durch den Autolenker deaktiviert werden. "Die manuelle Abschaltung ist die technisch einfachste Lösung. Allerdings trägt der Fahrer eine große Verantwortung, sind doch Fehlbedienungen nicht auszuschließen", sagt Peleska. Nicht empfehlenswert sind Systeme, bei denen die Deaktivierung ohne Schlüssel einfach durch einen Schalter erfolgt. Die Gefahr besteht, dass Kinder herumspielen und unbemerkt an der Airbageinstellung manipulieren.

Deaktivierung durch Werkstatt
Einige Airbags lassen sich nur in der Fachwerkstatt deaktivieren. "Eine Abschaltung durch die Werkstatt ist nur dann zu empfehlen, wenn ausschließlich Kleinkinder im Kindersitz auf dem Beifahrersitz transportiert werden sollen. Die Aktivierung muss wieder von einer Fachwerkstatt vorgenommen werden", weiß ÖAMTC-Techniker Peleska.

Automatische Abschaltung per Funk
Die bequemste Lösung laut ÖAMTC-Test ist eine automatische Abschaltung mittels Funksignal. Diese Art der Deaktivierung wird derzeit von Mazda, Mercedes und Opel angeboten. Die Funktionsweise: Ein im Kindersitz eingebauter Transponder sendet ein Signal, das den Airbag im Auto abschaltet. "Die Funktion ist akzeptabel, hat aber noch großes Verbesserungspotenzial. So sind die Kontrolllampen häufig ungünstig positioniert. Außerdem sind die Blinkzeichen ohne einen Blick in die Fahrzeug-Betriebsanleitung nicht zu deuten", beanstandet Peleska. Der größte Schwachpunkt sind bei diesem System laut ÖAMTC-Techniker allerdings die Kindersitze selbst: Die automatische Abschaltung funktioniert wegen des nötigen Transponders nur mit Kindersitzen der Fahrzeughersteller. Diese gehören allerdings großteils nicht mehr der jüngsten Generation an und weisen einige Schwächen auf.

Das Fazit von ÖAMTC-Techniker Peleska aus dem Test: "Die automatische Abschaltung des Beifahrerairbags ist der richtige Schritt, bietet sie doch Vorteile gegenüber dem Schlüsselsystem. Wünschenswert wäre aber eine Lösung, die jeden Kindersitz erkennen kann."

ÖAMTC-Tipps zur Kindersicherung
Kinder dürfen niemals in einem Auto ohne ein entsprechendes Rückhaltesystem gefahren werden. Der Kindersitz soll vor dem Kauf mit Kind und im Auto getestet werden. "Kinder auf dem Beifahrersitz sind mehr im Blickfeld des Fahrers. Allerdings wird die Gefahr unterschätzt, dass man häufiger als notwendig zum Kind hinübersieht und man dem Verkehr nicht die notwendige Aufmerksamkeit schenkt. Deshalb sollten Kinder möglichst auf dem Rücksitz in einem Kindersitz gesichert sein", rät ÖAMTC-Techniker Peleska. (red)


30.8.2004 10:22