Montag, 30. August 2004

Die Bären sind nun im Nationalpark los: Nachtwandern in Polen ist zur Zeit tabu

  • Bären wandern derzeit durch das Touristenzentrum
  • Touristen begeben sich auf gefährliche Bärensuche

Nachtwanderungen durch die Gebirgstäler der Hohen Tatra in Südpolen sind derzeit tabu. Auch noch so laue Sommernächte können die Verwaltung des Nationalparks im Grenzgebiet zur Slowakei nicht erweichen. Touristen müssen nachts draußen bleiben - nicht aus Sorge vor Stolperfallen auf den Wanderwegen, sondern um den Menschen "tierische" Begegnungen zu ersparen: Die Bären sind los.

Von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr müssen Wanderer das gesamte Gebiet des
Nationalparks meiden. Auch in den Gebirgshütten herrscht dann "Ausgangsverbot", bestimmte Pawel Skawinski, der Direktor des Nationalparks. Ein Wanderpfad ist sogar tagsüber für Wanderer gesperrt worden, ausgerechnet eine der beliebtesten Routen für den Aufstieg zum Giewont, dem "Hausberg" des Touristenzentrums Zakopane. "Seit einer Woche bekommen wir Mitteilungen über Begegnungen mit Bären", begründete er das Verbot. "Zum Glück haben sie niemanden angegriffen."

Begegnungen mit Touristen
Doch Skawinski will sich nicht allein aufs Glück verlassen. Die Zahl der
in der Hohen Tatra lebenden Bären wird schließlich auf mehr als ein Dutzend
geschätzt. Bisher hielten die Tiere Abstand zu den Touristenpfaden, auf
denen in den Sommermonaten tausende Wanderer und Gipfelstürmer unterwegs
sind. Erst in der vergangenen Woche kam es zur Begegnung von Touristen mit
einer Bärenmutter und ihren Jungen - Skawinski weiß, das hätte übel enden
können. Denn wenn eine Bärin ihre Jungen bedroht glaubt, ist sie besonders
gefährlich.

Leichtsinnige Touristen
Parkranger und Goralen schütteln auch den Kopf über den Leichtsinn
mancher Touristen, die bewusst auf Bärensuche gehen oder die Tiere sogar mit
Futter locken wollen, um ein besonderes Urlaubsfoto zu schießen. "An allem
ist nur die Dummheit der Leute schuld", meinte Bergbauer Stanislaw Stopka.
"Sie lassen Verpackungen ihres Essens zurück und locken die Tiere mit dem
Geruch an. Das führt noch zu einer Tragödie."

Die Parkhüter patrouillieren deshalb mit besonderer Sorgfalt im
Nationalpark. Sie versuchen, die Bären mit Gummigeschossen zu vertreiben,
wenn sie sich Touristenpfaden nähern. Für sie ist die Alarmstimmung erst im
Spätherbst vorbei, wenn sich die Bären in den Winterschlaf zurückziehen.(dpa)

30.8.2004 10:55