Mittwoch, 1. September 2004

Laudas Postenschacher-Attacke

  • „Noch vor dem ersten Hearing für neue Jobs gab es bereits Namenslisten von VP & FP.“

ÖBB ADE. Fünf Monate nach seiner spektakulären Bestellung wirft Niki Lauda seinen Job als ÖBB-Kontrollor hin und rechnet mit Gorbach & Co ab.

NEWS: Sie wurden erst im März dieses Jahres als ÖBB-Aufsichtsrat bestellt und sind bereits am 27. August zurückgetreten. Warum der rasche Rückzug?
Lauda: Nach der Bahnreform musste eine ganze Reihe von Vorstands- und Aufsichtsratsposten bei den neu gegründeten ÖBB-Töchtern besetzt werden. Und bevor es überhaupt Hearings oder Diskussionen über einzelne Personen gab, sind bereits Namenslisten überbracht worden, die offenbar im Auftrag von Helmut Kukacka (VP-Verkehrsstaatssekretär) und Hubert Gorbach erstellt wurden. Alle Kapitalvertreter im Aufsichtsrat mussten sich daher die Frage stellen, ob wir frei entscheiden können oder ob wir uns politischen Einflüssen beugen müssen.
NEWS: Wer hat heftiger interveniert?
Lauda: Der Druck war gleich groß.
NEWS: ÖBB-Aufsichtsratschef Wolfgang Reithofer hat an Gorbach sogar einen Brief geschrieben und sich über den Politeinfluss beschwert …
Lauda: So war es. Gorbach hat uns dann in sein Büro gebeten und in einem sehr offenen Gespräch Reithofer gefragt, was er sich dabei eigentlich gedacht hat. Natürlich habe die Politik das letzte Wort, argumentierte Gorbach. Die Bahn müsse ja auch öffentliche Verkehrsinteressen abdecken. Diese Begründung verstehe ich mittlerweile. Schließlich kann die Bahn nur mit öffentlichen Geldern ihre Strecken ausbauen. Dass die Politik daher mitbestimmen will, ist klar.
NEWS: Wurden Sie und die anderen Aufsichtsratsmitglieder aber nicht mit dem Argument angeworben, dass Sie politisch unabhängig arbeiten können?
Lauda: Das wurde von Gorbach nicht explizit ausgesprochen. Ich war aber angesichts jener hochkarätigen Namen, die er bereits überzeugt hatte, der vielleicht naiven Ansicht, dass wir unabhängig agieren können. Darum habe ich zugesagt.
NEWS: Ab wann haben Sie darüber nachgedacht, den Aufsichtsrat zu verlassen?
Lauda: Nach dem Gespräch mit Gorbach. Ich bin dann zum Schluss gekommen, dass ich der falsche Mann für so eine Funktion bin. Ich halte den Spagat zwischen privatwirtschaftlichem Denken und Staatseinfluss nicht aus. Natürlich hat auch die Zeitfrage eine Rolle gespielt, und meine Airline hat absolute Priorität.

Das ganze Interview lesen Sie im neuen NEWS

1.9.2004 16:08