Mittwoch, 1. September 2004

Todestransporte

  • NEWS-Report: Nach der EU-Erweiterung
  • Fette Profite, kaum Kontrollen, läppische Strafen.

Wie Tausende Schlachttiere seit der EU-Erweiterung quer durch Österreich gekarrt werden – der Horrortrip.

Während draußen der Asphalt in der Sommerhitze glühte, liefen in den Amtsstuben des Gendarmeriepostens Neusiedl am See die Drähte heiß. Über 40 empörte Anrufer meldeten einen an der B50 wegen Motorschadens abgestellten Lkw aus Polen, der „schrecklich brüllende Kälbchen“ geladen habe. Den ausrückenden Beamten bot sich ein erbärmliches Bild: Der Laderaum war gnadenlos voll gepfercht mit Tieren, die auf kleinstem Raum zusammenstehen mussten. Einige der 194 Kälber – erst zwei bis drei Wochen alt, aber entgegen allen Vorschriften bereits mehr als 20 Stunden ohne Wasserversorgung auf Achse – waren von Durst und Hitze derart geschwächt, dass sie wie wild an den Gitterstäben saugten.

Tierqual auf Rädern. „Highway to hell“ – im wahrsten Sinn des Wortes. „Auf ihrer langen Reise in den Tod erleiden Schlachttiere oft schreckliche Qualen“, sagt Alexander Rabitsch. Der Tierarzt aus Ferlach hat für das Land Kärnten in den vergangenen Jahren über 700 Tier-Lkws unter die Lupe genommen. Sein alarmierender Befund: „Nur ein Drittel aller kontrollierten Transporte erfüllt die Vorschriften, zwei Drittel sind nicht in Ordnung.“ Die Hälfte der Beanstandungen seien „tierschutzrelevant“, mehr als 50 Prozent betreffen „unglaubwürdige oder unzureichende Papiere“.

Immer mehr Nutztiere werden jährlich kreuz und quer durch Europa gekarrt – entweder zur Mästung, zu Zuchtzwecken oder zur Schlachtung. Waren es im Jahr 1999 noch 295 Millionen Tiere, so wurden 2003 bereits rund 360 Millionen Lebendtiere in den EU-15-Ländern transportiert, davon 220 Millionen Schweine, 82 Millionen Schafe und 31 Millionen Rinder. Insgesamt sind so jährlich gut 350.000 Lkws unterwegs. Laut Berechnungen des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) entspricht das aneinander gereiht einer Lkw-Kolonne von rund 4.400 km Länge.

Tagelang auf Achse. Bis zu 90 Stunden dauert die qualvolle Reise in den fahrbaren Käfigen. So werden Pferde aus Litauen, Weißrussland oder Rumänien nach Italien transportiert, Schafe aus Schottland nach Griechenland, Ferkel aus Ungarn nach Spanien oder Kälber aus Polen nach Südeuropa. Um möglichst viele Tiere auf einmal transportieren zu können, werden sie in bis zu vierstöckige Transporter gepfercht. Die Raumhöhe ist so gering, dass sie nicht einmal ihren Kopf heben können.

Im EU-Raum hat sich auch für die Fleischproduktion ein System der Profitmaximierung etabliert. Gemästet und geschlachtet wird, wo es am billigsten ist. Geburtsort, Mastplatz und Schlachthaus liegen oft Tausende Kilometer voneinander entfernt. Tiere werden im Norden gezüchtet und nach Südeuropa
zum Schlachten gebracht, das Fleisch wird wieder zurück nach Mitteleuropa transportiert. Selbst Tierbabys im Alter von wenigen Wochen, etwa Milchkälber oder Saugferkel, werden über Tausende Kilometer verfrachtet.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

1.9.2004 15:57