Freitag, 3. September 2004

Kaufkraft der Österreicher nähert sich an: Wien verliert - Salzburg an zweiter Stelle

  • Städte weisen generell höhere Kaufkraftwerte auf
  • Kärnten ist trotz Zuwächse Schlusslicht

Trotz einiger Verluste in den vergangenen Jahren bescheinigt eine aktuelle Studie des Marktforschers RegioPlan Wien immer noch die höchste Kaufkraft (111,3 Indexpunkte), gefolgt von Salzburg (102,4) und Niederösterreich (102,3). Auf den weiteren Plätzen folgen Oberösterreich (96,6), Tirol inklusive Osttirol (95,7), Vorarlberg (95,2), die Steiermark (93,6), das Burgenland (93,5) und Kärnten (93,3).

Städte weisen insgesamt höhere Kaufkraftwerte pro Einwohner auf als ländliche Gebiete, was laut Studie auf die Gehaltsstrukturen internationaler Konzerne, großer öffentlicher Verwaltungsinstitutionen sowie Technologie-, Forschungs- und Innovationszentren, die typischerweise in Ballungsräumen angesiedelt sind, zurückzuführen ist. Ausgleichend wirken regionale Wirtschaftsförderungen wie etwa jene der EU für das Burgenland.

Wien verliert kontinuierlich
Wiens Bevölkerung verliert seit 2002 kontinuierlich an Kaufkraft. Die Einkommensverluste führt RegioPlan auf Einsparungen bei den in Wien sehr zahlreich vertretenen Institutionen des öffentlichen Bereichs, die schwache Konjunkturentwicklung und steigende Arbeitslosigkeit zurück. Mittel- und langfristig wird sich Wien aber weiterhin als kaufkraftstärkstes Bundesland Österreichs behaupten können, schätzen die Marktforscher.

Knappes Rennen um Platz 2
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt es um Platz zwei: 2002 lag Salzburg erstmals seit dem Jahr 2000 wieder vor Niederösterreich, 2003 konnte der Platz - wenn auch knapp - behauptet werden. In beiden Ländern gibt es politische Bezirke mit weit überdurchschnittlicher Kaufkraft (in Niederösterreich Mödling mit 134,5 Punkten, in Salzburg die Stadt Salzburg mit 123,0 Punkten), aber auch Bezirke mit stark unterdurchschnittlicher Kaufkraft (in Niederösterreich Zwettl mit 79,8 Punkten, in Salzburg Tamsweg mit 80,5 Punkten).

Oberösterreich bleibt weiterhin stabil
In Oberösterreich zeige sich eine wirtschaftlich stabile Entwicklung, die Kaufkraft liege allerdings mit 96,6 Punkten leicht unter dem österreichischen Durchschnitt, heißt es in der Studie. Der wertvolle industrielle Kern des Landes, die niedrigste Arbeitslosenrate Österreichs 2003 und die gestiegene Beschäftigungsrate würden auch künftig für eine gute Entwicklung der Kaufkraft sorgen.

Tirol wieder mit dem stärksten Kaufkraftanstieg
Tirol ist - bereits zum zweiten Mal in Folge - das Bundesland mit dem stärksten Kaufkraftanstieg. 2002 erhöhte sich die Kaufkraft um 1,8 Punkte, 2003 um 1,5 Punkte. Innerhalb Tirols gebe es regionale Unterschiede, diese seien aber nicht so deutlich ausgeprägt wie in anderen Bundesländern.

Vorarlberg verliert
Die Kaufkraft der Vorarlberger ist 2003 um 1,4 Punkte gesunken, nur Wien musste größere Einbußen hinnehmen. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in der gestiegenen Arbeitslosenrate, dem schwachen Tourismus 2003 sowie der schwierigen Lage in der regional weiterhin sehr wichtigen Bekleidungsindustrie.

Burgenland mit starkem Aufholprozess
Das Burgenland verdankt seinen Aufholprozess vom weit abgeschlagenen Schlusslicht vor allem dem EU-Regionalförderungsprogramm. Da im Burgenland 2003 ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeitsquote verhindert werden konnte, viele Unternehmungsgründungen statt fanden und die Beschäftigung um 1,8 Prozent wuchs, sei das Land weiterhin auf gutem Kurs, hieß es. Allerdings versiegt dieser wertvolle Zahlungsstrom am 31.12.2006. Bis dahin müsse eine effiziente Wirtschaftsstruktur aufgebaut werden, die als "regionale Wirtschaftslokomotive" dienen könne, rät RegioPlan.

Kärnten wieder Schlusslicht
Kärnten liegt - trotz Zuwächsen - wie schon in den Jahren zuvor an letzter Stelle des Bundesländervergleichs, was die Studie auf die relativ hohe Arbeitslosigkeit von 8,1 Prozent, die große Bedeutung von Tourismus und Landwirtschaft sowie den Mangel an wirtschaftlich tragfähigen Strukturen zurückführt. Grundsätzlich bestünden gute Ansätze (etwa die Entwicklungsagentur Kärnten zur Förderung von Unternehmensansiedelung und -neugründungen) sowie einige Innovationsparks, für einen raschen Aufholprozess seien diese Bemühungen in Summe aber zu wenig.
(apa/red)

3.9.2004 08:43