Postenschacher bei der ÖBB: Lauda bekräftigt in NEWS-Interview die Vorwürfe
- "Regierung hat vor Hearing Namenslisten vorgelegt"
- Kukacka: Es gibt keine Namenslisten der ÖVP
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Die Postenbesetzungen bei den ÖBB sorgen weiter für Aufregung. In einem Interview NEWS bekräftigte und präzisierte Kurzzeit-ÖBB-Aufsichtsrat und Airline-Chef Niki Lauda seine kürzlich geäußerten Vorwürfe in Richtung politischen Postenschacher. "Bevor es überhaupt Hearings oder Diskussionen über einzelne Personen gab, sind bereits Namenslisten überbracht worden, die offenbar im Auftrag von Helmut Kukacka und Hubert Gorbach erstellt wurden", wird Lauda zitiert. Kukacka verwahrte sich umgehend gegen die Vorwürfe: Es gebe keine Namenslisten der ÖVP und es würde auf den Aufsichtsrat kein Druck ausgeübt.
Laut Lauda habe ÖBB-Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer wegen der politischen Interventionen sogar einen Brief an Gorbach geschrieben. Die Reaktion demnach: "Gorbach hat uns dann in sein Büro gebeten und in einem sehr offenen Gespräch gefragt, was er sich eigentlich dabei gedacht hat." Lauda räumte aber ein, dass die Politik die öffentlichen Verkehrsinteressen abdecken müsse und daher "klar ist", dass sie mitbestimmen will.
Überraschendes Lob gab es von Lauda - als Lauda-Air-Boss laufend im Clinch mit der Gewerkschaft - für den Eisenbahner-Gewerkschafts-Chef Wilhelm Haberzettl. Dieser sei bei den ÖBB "einer der hellsten Köpfe".
Haberzettl selbst erneuerte seine Kritik an der seit Jahresbeginn geltenden ÖBB-Reform, die die Aufteilung in eine Holding und mehrere Teilgesellschaften vorsieht. Er nahm eine Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), wonach Österreich bei der Nutzung von Öffentlichen Verkehrsmitteln die Nummer 1 in Europa sei, zum Anlass, um vor dem "mittelfristigen Ruin" der Bahn zu warnen. Er verwies auf den "vermurksten Generalverkehrsplan" und ortete "mangelnde Investitionen in die Infrastruktur, Einsparungen an der falschen Stelle sowie das Fehlen einer Qualitätsoffensive". Weiters merkte er an, dass die Bahn ein Finanzierungsloch von mehr als 400 Millionen Euro aufweise.
Laut einer Berechnung des Kurzzeit-ÖBB-Vorstands und jetzigen Rechnungshof-Präsidenten Josef Moser werden - wie berichtet - die Ausbaupläne des Generalverkehrsplanes (GVP) mit den eingeplanten 1,2 Mrd. Euro nicht umgesetzt werden können. Alleine für die bereits laufenden Projekte würden die ÖBB demnach 2005 rund 1,7 Mrd. Euro benötigen. Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) hat bereits eine Überarbeitung des GVP bis Herbst angekündigt.
Derzeit würden dank Bahn eine Million weniger Transit-Lkw-Fahrten durch Österreich stattfinden, erklärte heute der VCÖ. Mit einer Leistung von 17,6 Mrd. Tonnenkilometern pro Jahr decke man 62 Prozent der Lkw-Transportleistung ab. Bei der Schienengüterleistung pro Kopf und Jahr liege Österreich innerhalb der EU an 4. Stelle. Lediglich die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen hätten einen höheren Anteil.
Der Öffentliche Verkehr gibt laut VCÖ 172.000 Personen in Österreich einen Job und erspart den Unternehmen Staukosten von 1,9 Mrd. Euro. Mit einem BIP-Anteil von rund vier Prozent sei der Beitrag am Bruttoinlandsprodukt doppelt so hoch wie jener der Landwirtschaft. Alleine die Bahn würde eine Wertschöpfung von 4,8 Mrd. Euro erwirtschaften, geht aus der VCÖ-Studie hervor.(apa/red)
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