Freitag, 3. September 2004

Ohne Furcht ins England-Match: Nach der Bundeshymne gibt's keinen Respekt mehr!

  • Pogatetz kämpferisch: "Werd' Beckham zuwesteig'n"
  • In letzter Sekunde verletzter Schranz hätte gespielt

Zum 15. Mal nimmt heute eine österreichische Nationalmannschaft den steinigen Wettlauf um ein WM-Ticket in Angriff. Die Endstation Sehnsucht ist das große Ziel, das da lautet: achte Teilnahme an einem Endrunden-Turnier, das 2006 vor der Haustüre in Deutschland steigt. Der Auftakt der Qualifikation in Gruppe sechs ist für Österreich gleichzeitig eine Premiere. Denn erstmals ist England in einer Ausscheidung Gegner der ÖFB-Kicker. Die Bühne des ersten Akts ist ab 20.30 Uhr (LIVE auf networld.at!) das Wiener Ernst Happel-Stadion.

Gegen die Mannen um Star David Beckham ist Österreich trotz des Heimvorteils mit einem ausverkauften Haus (47.500) Außenseiter. Hans Krankl spricht von der Geschichte des Goliaths und des Davids. "Ein Erfolg wäre eine Sternstunde, bedeutet aber noch lange nicht den Gruppen-Sieg. Ein Remis würde uns ebenfalls sehr stolz machen. Eine Niederlage dagegen wäre normal. Normal ist schlecht, obwohl es danach auch weitergeht", wagte der ÖFB-Teamchef einen Blick in die unmittelbare Zukunft.

Eine Niederlage im Rahmen, auch vor eigenem Publikum, wäre gegen den Gruppen-Favoriten sicher keine Schande. "Ich bin Realist. Wir werden England nicht unter Druck setzen können. Wenn wir aber nur reagieren, dann haben wir keine Chance. Daher müssen wir auch Kreatives versuchen und zeigen. Gelingt es uns, aus einer gut stehenden Defensive, die Grundvoraussetzung im modernen Fußball ist, herauszuspielen, dann werden wir auch ein gutes Resultat erreichen", glaubt Krankl. Angst vor dem Gegner dürfe seine Mannschaft nicht haben.

Nach der Bundeshymne gibt's keine Freunde
"Hat die jemand, dann hat er den Beruf verfehlt. Und den vorhandenen Respekt werden wir nach der Bundeshymne ablegen", sagte der Wiener. Emanuel Pogatetz, der den Aktionsradius von David Beckham einengen soll, ist, auf den Star schon vor den Hymnen heiß. "Ich freu' mich auf ihn. Er kann sich anhalten, ich werd' ihm sicher zuwesteig'n. So leicht wie zuletzt beim 3:0 gegen die Ukraine, gegen die er auch ein Tor erzielte, wird er es nicht haben", verspricht der Verteidiger nach dem Video-Studium am Freitag und Krankl fügt hinzu: "Beckham ist nur einer von Vier im hervorragenden Mittelfeld."

Die Schulterverletzung, die sich Pogatetz beim Aufwärmen gegen die Deutschen zugezogen hatte, wird ihn nicht behindern. Der junge GAK-Mann wird sich aber noch eine Spritze geben lassen, um voll in die Zweikämpfe gehen zu können. "Wir waren schon oft knapp dran, sind aber meist an Eigenfehlern gescheitert. Wir haben es mit dem GAK in Liverpool vorgezeigt, das möchten wir nun auch mit dem Team gegen England erreichen", meinte Pogatetz, der Beckham schon vor der Ballannahme stören und so dessen Flanken und Wechselpässe unterbinden will.

Liverpool-Spiel soll Auftrieb geben
Auch Gernot Sick, der wie Markus Kiesenebner auf der rechten Mittelfeldseite statt des gesperrten Markus Schopp zum Einsatz kommen könnte und dort "früher unter Gustl Starek auch schon gespielt" hat, stellt seinen GAK als positives Beispiel hin. "Es ist zwar ein anderes Spiel als in Liverpool, aber wir haben dort gezeigt, dass wir mithalten können und ein positives Resultat möglich ist", sagt der Neuling und Fan des Fußball-Mutterlands, der schon als Bub vom englischen Fußball geschwärmt hatte.

Die Entscheidung, welche elf Mann beginnen werden, hat Krankl nach Gesprächen mit seinen Führungsspielern und Betreuern schon getroffen. Jene des Tormannes ist ihm trotz des Ausfalls von Andreas Schranz, der sich im Training ohne Feindeinwirkung einen Kapseleinriss im rechten Knöchel zugezogen hat und nach den Worten Krankl gespielt hätte, nicht leichter gefallen. Neben Sick oder Kiesenebner lautet die Frage mit Thomas Mandl abermals oder mit Alex Manninger erstmals seit Oktober 2002 im Gehäuse?

Auf die Frage, was eigentlich für Österreich gegen die Engländer spreche, antwortete Krankl: "Dass sie uns unterschätzen, dass wir top vorbereitet sind, dass bei uns alles zusammenpassen muss, dass wir das Quäntchen Glück haben und noch viel mehr." Seine Mannschaft lebe für dieses Spiel, werde mit aller Kraft etwas probieren. "Entschieden wird alles auf dem Platz", sagte der 51-Jährige und sehnt eine Sternstunde herbei. Diese würde der Mannschaft und dem ganzen Umfeld helfen.

Eine Marschtabelle für die drei Heimspiele gegen England, am Mittwoch gegen Aserbaidschan und am 9. Oktober gegen Polen hat sich der ÖFB-Teamchef nicht zurechtgelegt. "England ist Favorit der Gruppe, um den zweiten Platz und die Barrage werden sich Wales, Österreich, Polen und Nordirland streiten", sagt der Wiener. (apa/red)

3.9.2004 15:29