Donnerstag, 2. September 2004

Eriksson traut England WM-Titel 2006 zu:
"Sind fast auf Level mit Brasilien, Portugal"

  • Spiel gegen Österreich als Startschuss für goldene Ära
  • Schwede schwärmt von Jungstars, will weniger Spiele

Geht es nach Englands Teamchef Sven-Göran Eriksson, dann könnte mit der Auftaktpartie in der WM-Qualifikation am Samstag im Wiener Happel-Stadion gegen Österreich gleichzeitig der Startschuss für eine goldene Ära im englischen Fußball fallen. Der Schwede hält große Stücke auf seine Schützlinge und traut ihnen bei der kommenden WM in Deutschland sogar den Titel zu. "Wir sind fast auf dem gleichen Level wie Brasilien oder Portugal. Wir brauchen zwar auch ein bisschen Glück, aber 2006 können wir ganz an der Spitze sein", sagte der 56-Jährige der "Gazzetta dello Sport".

Erikssons Optimismus gründet sich nicht nur auf aktuelle Stars wie David Beckham oder Michael Owen, sondern auch auf die von Wayne Rooney angeführte "junge Welle". "Wir sind in der glücklichen Lage, mit Shaun Wright-Phillips, Jermain Defoe, Jermaine Jenas oder Jermaine Pennant aufstrebende Talente zu haben. Das sind Spieler mit Qualität und voller Energie", sagte der Teamchef.

Herausragend ist für Eriksson natürlich Rooney, der aber gegen Österreich wegen seines bei der EM erlittenen Mittelfußknochenbruchs fehlen wird. "Eines ist klar: Rooney ist ein Super-Talent. Seine größte Stärke ist seine Unbekümmertheit. Auf dem Platz ist er immer cool", schwärmte der Coach von seinem Jungstar.

Müde Spieler als größte Sorge
Bedenken kommen Eriksson nur, wenn er an den straffen Terminplan seiner Top-Kicker denkt. "Für eine WM benötigt man eine Vorbereitungszeit von mindestens einem Monat. Wenn FIFA und UEFA nichts unternehmen, werden die Zuschauer bei der WM 2006 nur müde Stars zu sehen bekommen", meinte der frühere Lazio- und Besiktas-Meistermacher. "Bald gibt es in Stockholm ein UEFA-Meeting mit allen europäischen Teamchefs. Ich hoffe, dass sich die Dinge von da an ändern werden", fordert der Schwede weniger Spiele für die Akteure und ist damit einer Meinung mit FIFA-Boss Sepp Blatter.

Die internationalen Verbände, aber auch die Klubs müssten endlich die Lehren aus den vergangenen Großveranstaltungen ziehen. "Man hat bei der letzten EM und WM gesehen, dass es das Wichtigste ist, ausgeruhte Spieler zu haben. Taktik oder Qualität der Spieler waren zweitrangig", meinte Eriksson. "Es ist einfach ein Faktum, dass England, Spanien oder Italien zu den letzten Turnieren mit müden Spielern angereist sind."

Eriksson im Visier der Boulevard-Presse
Müdigkeit als Ausrede wird die britische Boulevard-Presse aber wohl nicht akzeptieren, sollte der WM-Qualifikationsauftakt in Österreich und vier Tage später in Polen nicht die gewünschten Erfolge bringen. Schon bei seinem Amtsantritt im Jänner 2001 sah er sich angesichts der Tatsache, erster ausländischer Teamchef in England zu sein, mit massiven Anfeindungen konfrontiert. Spätestens seit seiner Affäre mit der Verbandssekretärin Faria Alam (FA-Exekutivchef Mark Palios, ebenfalls mit Alam verbandelt, musste im Zuge der Turbulenzen zurücktreten) ist der Schwede in der Yellow Press angezählt, bereits zuvor hatten seine Kontakte mit Chelsea für Unmut in der englischen Öffentlichkeit gesorgt.

Dabei hat Eriksson, der im März seinen Vertrag bis zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz verlängerte, eine durchaus erfolgreiche Bilanz vorzuweisen. Höhepunkte waren unter anderem der 5:1-Auswärtstriumph gegen Deutschland 2001 oder der 1:0-Sieg über den großen Rivalen Argentinien in der Gruppenphase der WM 2002. (apa/red)

2.9.2004 12:30