Mittwoch, 1. September 2004

Negative Bilanz & positive Erinnerungen: Österreich erst mit 4 Siegen gegen England

  • 1965 wurde Ex-Rapidler Fritsch zum "Wembley-Toni"
  • PLUS Statisitk: Letzter Vergleich liegt 25 Jahre zurück

Fußball-Österreich weist zwar gegen das Mutterland des Fußballs eine negative Bilanz auf, es verbindet mit England aber auch so manch positive Erinnerungen. Eine Sternstunde erlebte Rot-Weiß-Rot am 20. Oktober 1965, als das damalige Teambaby namens Toni Fritsch durch seine zwei Tore zum sensationellen 3:2-Triumph in London zum "Wembley-Toni" wurde. Es sollten die einzigen Teamtreffer des neunfachen Internationalen bleiben. "Was mir an diesem Tag auf dem Heiligen Rasen gelang, werde ich mein ganzes Leben nie vergessen", sagt der Ex-Rapidler heute noch mit Stolz.

Was man später, nach der WM 1978 in Argentinien, mit Krankl, Cordoba, Deutschland und dem 3:2 verbindet, das assoziiert man seither eben mit Fritsch. Der 20-jährige Rapidler, der von ÖFB-Teamchef Edi Frühwirth als einer von insgesamt vier Debütanten (R. Sara, Dirnberger, Stamm) in der jungen Mannschaft (Schnitt 23 Jahre) aufgestellt worden war, avancierte zum Helden. "Als ich schon von meiner Einberufung hörte, konnte ich eine Woche nicht schlafen. Es war eine unbeschreibliche Ehre für mein Land spielen zu dürfen", erzählt Fritsch.

Böse Überraschung für England
Rund acht Monate vor der WM-Endrunde im eigenen Land hatten sich die Engländer Österreich, das elf Tage zuvor in Stuttgart 1:4 untergegangen war, als Sparring-Partner auserkoren und erlebten nach zehn Spielen ohne Niederlagen (je fünf Siege und Remis) eine böse Überraschung. Bis zur 73. Minute lief noch alles nach Plan, denn die Hausherren führten 2:1 (Tore: B. Charlton/3. Min., Connelly/59. bzw. Flögel/52.) und nichts deutete eigentlich auf einen Erfolg der Gäste hin. Bis Fritsch seine unvergesslichen Auftritte hatte.

Man schrieb die 73. Minute: Buzek schoss einen Freistoß, der englische Keeper Springett wehrte kurz ab, "ich stand neben der Mauer und schoss dem Goalie den abspringenden Ball zwischen den Beinen zum Ausgleich ein." Nur acht Minuten später nahm der Naturbursch aus Petronell (NÖ) dem grimmigen Nobby Stiles die Wuchtel ab, lief ein paar Meter und knallte aus 30 m drauflos: Die Kugel landete im rechten Kreuz, Springett war erneut chancenlos.

1. ÖFB-Sieg am 6.Mai 1936
Begonnen hatten die Vergleiche der beiden Länder im Juni 1908. In den ersten fünf Spielen, von denen die ersten vier durchwegs in Wien stattfanden, ergatterte die ÖFB-Auswahlen lediglich ein Pünktchen (6:29 Tore). Der erste volle Erfolg am 6. Mai 1936 war dann aber gleich ein epochaler. Ohne einzigen Rapidler im ÖFB-Aufgebot, erlitten die Engländer im Prater durch Treffer von Geiter und Viertl mit 1:2 die überhaupt erste Niederlage auf dem Kontinent.

Zwischen diesem 2:1 und dem legendären 3:2 im Jahr 1965 (einziger Auswärtssieg) glückten 1961 mit dem 3:1 (Tore: Nemec, E. Hof, Senekowitsch) und 1979 mit dem 4:3 (Tore: Pezzey und Welzl/je 2) jeweils in Wien nur noch zwei weitere Erfolge gegen die Briten. Die bisherigen 15 Vergleiche waren mit einer Ausnahme Freundschaftsspiele. Die einzige Wettbewerbspartie fand am 15. Juni 1958 im Rahmen der WM-Endrunde in der westschwedischen Stadt Boraas statt und endete 2:2. Die bisher höchste Niederlage setzte es am 26.9. 1973 mit dem 0:7 in Wembley. (apa/red)

1.9.2004 09:50