Dienstag, 31. August 2004

"Tante Käthe" kommt nach Hause: Rudi Völler ist neuer Coach von AS Roma

  • Ex-Teamchef unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag
  • Jahresgehalt von rund zwei Millionen Euro im Gespräch

Der ehemalige deutsche Teamchef Rudi Völler ist neuer Coach des AS Roma. "Ich bin bereit, sofort mit der Arbeit zu beginnen und das erste Training zu leiten", sagte Völler bei der Ankunft auf dem Flughafen in Rom. Nach Medienberichten soll der 44-Jährige einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschreiben und ein Jahresgehalt von rund zwei Millionen Euro erhalten. "Es fehlen nur noch Details, die aber noch heute geklärt werden", sagte Völler. Für 15.30 Uhr war das erste Training angesetzt.

Völler wird Nachfolger von Cesare Prandelli, der nach wenigen Wochen zurückgetreten war, um seiner an Krebs erkrankten Frau beizustehen. Von 1987 bis 1992 hatte Völler als Mittelstürmer für den Hauptstadtklub gespielt. Mit seiner Rückkehr nach Rom entschied sich der Teamchef der deutschen Vize-Weltmeistermannschaft von 2002 gegen einen Management-Posten beim Bundesligisten Bayer Leverkusen.

Mit AS Roma startet Völler am 12. September im Olympiastadion gegen Fiorentina in die Serie A-Saison. In der Champions-League trifft er mit den Römern in der Vorrunde unter anderem auf Bayer Leverkusen. Bei der Europameisterschaft in Portugal war Völler als DFB-Teamchef nach dem Vorrunden-K.o. der deutschen Mannschaft zurückgetreten.

"Mein Herz hing immer an Rom"
"Flieg, Rudi, flieg - du bist ein echter Freund", begrüßte die Zeitung "Il Messaggero" den erhofften Retter von AS Roma. "Mein Herz hing immer an Rom", sagte Völler bei seiner Ankunft am Flughafen. Den jubelnden "Tifosi" trieb es die Freudentränen in die Augen. "Ich hoffe, ich kann hier mein Bestes geben", versprach Völler.

Nur wenige Tage hatten ihm gereicht, um sich gemeinsam mit seiner römischen Frau Sabrina und seinen Kindern für das Abenteuer Rom und gegen einen Management-Posten in Leverkusen zu entscheiden. "Roma braucht mich, da konnte ich mich nicht verweigern", verriet Völler alten Freunden in Italien die Entscheidung in seinem Gewissenskonflikt. Der Zweijahresvertrag lag unterschriftsfertig bereit. "Es fehlen nur noch Details, die aber noch heute geklärt werden", sagte Völler am Dienstag auf dem Weg zum ersten Training mit der Mannschaft im Roma-Sportzentrum Trigoria.

Es ist dies ein ähnlicher Sprung ins kalte Wasser wie 2000, als Völler in Deutschland ohne jegliche Trainererfahrung für den durch die Kokain-Affäre diskreditierten späteren Austria-Trainer Christoph Daum DFB-Teamchef wurde. Heute fehlt ihm die tägliche Trainingserfahrung im Verein. "Das wird eine ganz andere Sache", weiß Völler. Dafür aber kennt er dank seiner Zeit als Roma-Spieler, seiner römischen Frau und seiner sehr guten Italienischkenntnisse Kultur und Mentalität am Tiber wie kaum ein anderer. "Völler ist unser Wunschkandidat", so Kapitän Francesco Totti.

Völler hat sich allerdings sein Ja auch mit Verstärkungen für den geschwächten Sturm bezahlen lassen, berichtete die "La Gazzetta dello Sport". Roms Meistertrainer Fabio Capello hatte nämlich bei seinem plötzlichen Wechsel zum Erzfeind Juventus Turin im Sommer auch noch die Stars Emerson und Zebina mitgenommen. Neben Totti und Nachwuchs-Star Cassano muss ein robuster Stürmer her. Rom buhlt deshalb um Leverkusens Berbatow und den Tschechen Baros, nachdem Wunschkandidat Luis Fabiano zu Porto gewechselt ist.

Nach der Vize-Meisterschaft ist die Erwartungshaltung groß, die Möglichkeiten sind aber beschränkt. Der hoch verschuldete Klub muss sparen, auch wenn der schwerreiche Klub-Besitzer Franco Sensi das Überleben immer wieder mit einem Griff in die Privatschatulle sichern kann. (apa/red)

31.8.2004 13:24