Mittwoch, 1. September 2004

Suche nach Terroristinnen von Moskau: Zusammenhang mit Flugzeug-Attentaten?

  • Wieder Bombendrohung: Bahnhof wurde geräumt
  • Anschlag zur Unterstützung tschetschenischer Muslime

Wenige Stunden nach dem Anschlag vor einem Moskauer U-Bahnhof mit mindestens zehn Toten ist in der russischen Hauptstadt eine Bombendrohung eingegangen. Sicherheitskräfte hätten den Bahnhof Kurski in der Innenstadt am Mittwochmorgen geräumt, nachdem ein anonymer Anrufer vor einer Bombe gewarnt habe, meldete die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Die Verantwortlichen des Bahnhofs teilten mit, sie ließen wegen des Anschlags vor der U-Bahn am Vorabend "höchste Vorsicht" walten. Sprengstoffexperten und Spürhunde suchten den Bahnhof in der Innenstadt ab. Nach dem Selbstmordanschlag in Moskau mit zehn Toten und 51 Verletzten sucht die russische Polizei nach weiteren potenziellen tschetschenischen Attentäterinnen.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass zwischen dem Bombenanschlag und dem Terrorakt gegen zwei Flugzeuge vor einer Woche ein Zusammenhang bestehe, sagte ein Ermittler am Mittwochmorgen.

Wie bei den Flugzeug-Attentaten bekannte sich nach russischen Medienberichten die Terrorgruppe "Islambuli-Brigade der El Kaida" zu dem Moskauer Anschlag. Eine Selbstmord-Attentäterin hatte sich am Dienstagabend nahe der belebten Metro-Station "Rischskaja" im Stadtzentrum in die Luft gesprengt.

In der Nacht wurde der Kopf der Terroristin gefunden. Ermittler schlossen nicht aus, dass es sich um Rosa Nagajewa, die dritte einer Gruppe von insgesamt vier gesuchten Tschetscheninnen, handle.

Die vierte Frau namens Marjan Taburowa sei noch auf freiem Fuß, schrieb die Internetzeitung "Gaseta.ru". Nagajewa und Taburowa hatten nach Erkenntnissen der Ermittler zuvor in Grosny mit den beiden mutmaßlichen Terroristinnen zusammen gelebt, die am vergangenen Dienstag die Flugzeuge zum Absturz gebracht hatten.

Die Terrorgruppe "Islambuli-Brigade" erklärte, auch der neue Anschlag solle "die Muslime in Tschetschenien unterstützen". Bei dem Treffen mit dem deutschen Kanzler Schröder und dem französischen Präsidenten Chirac in Sotschi hatte der russische Staatschef Putin am Dienstag El Kaida für die Anschläge in seinem Land verantwortlich gemacht. Die tschetschenischen Rebellen arbeiteten mit dem internationalen Terrorismus zusammen, sagte Putin.

Die US-Regierung verurteilte die Anschläge in Moskau und zuvor auf zwei Passagierflugzeuge scharf. Es gebe keine Rechtfertigung für Terrorismus, heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses.
(apa)

1.9.2004 07:28