Donnerstag, 2. September 2004

Feuer in Weimarer Anna Amalia Bibliothek: 40.000 wertvolle Bücher sind betroffen!

  • Über die Brandursache ist noch nichts bekannt

Der Großbrand am Donnerstagabend in der zum Weltkulturerbe gehörenden Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar hat nach Schätzungen der Stiftung Weimarer Klassik mindestens einen zweistelligen Millionenschaden verursacht. Rund 30 000 wertvolle Bücher seien vermutlich als Totalverlust zu beklagen, darunter die gesamte Bibelsammlung. Etwa 40 000 seien beschädigt und sollen tiefgefroren werden, um sie vor dem Zerfall retten zu können, sagte Stiftungspräsident Hellmut Seemann am Freitag in Weimar.

Die Decken im einzigartigen Rokokosaal seien weiter einsturzgefährdet. Das Technische Hilfswerk versucht derzeit, das Gebäude im oberen Bereich zu stabilisieren. Der Dachstuhl ist nur noch ein Gerippe. Er wurde fast vollständig zerstört. Gut 500 Menschen waren in der Nacht im Einsatz. Etwa 120 000 Bände konnten geborgen werden. Die Bücher sollten wegen des derzeitigen Umbaus der Bibliothek in fünf Wochen umziehen.

Die Ursache des Brandes vom Donnerstagabend ist weiter unklar. Es gebe nur Vermutungen auf einen Elektroschaden, so Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), der eine Soforthilfe zur Rettung von Büchern zusagte. Bei der geplanten Sanierung sollte auch die Brandsicherung verbessert werden. Die Stiftung Weimarer Klassik hat zu Spenden aufgerufen. Empfänger ist die Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek mit der Kontonummer 301040400 bei der Sparkasse Mittelthüringen (Bankleitzahl: 820.510.00).

Die 1691 gegründete Bibliothek Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist die Forschungsbibliothek der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Sie trägt den Namen der Weimarer Herzogin Anna Amalia (1739-1807) und beherbergt rund eine Million Bücher. Stammhaus der Bibliothek ist das zwischen 1562 und 1565 errichtete so genannte "Grüne Schloss", das Anna Amalia von 1761 an zur Bibliothek umgestalten ließ. Von 1797 an sorgte Johann Wolfgang von Goethe für Ausbau und Verwaltung der Bestände.

Sammlungsschwerpunkt ist die deutsche Literatur zwischen 1750 und 1850. Die Bibliothek verfügt unter anderem über wertvolle Schätze aus der Blütezeit der deutschen Klassik wie die mit 3900 Bänden größte "Faust"-Sammlung der Welt. Zum Bestand gehören auch 2000 mittelalterliche Handschriften, 8400 historische Landkarten, eine bedeutende Bibelsammlung aus dem 16. Jahrhundert, Briefe des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck und 3900 Noten. (apa/red)

2.9.2004 23:03