Dienstag, 31. August 2004

Kriegsverbrecher-Tribunal: Serbe Brdjanin zu 32 Jahren Gefängnis verurteilt

  • Von Völkermord-Vorwurf entlastet, verurteilt wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Der frühere Vizeministerpräsident der bosnischen Serben, Radoslav Brdjanin, muss für 32 Jahre ins Gefängnis. Das UNO-Tribunal in Den Haag verurteilte den 56-Jährigen am Mittwoch wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995. Vom Vorwurf des Völkermordes war Brdjanin freigesprochen worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das ehemalige Regierungsmitglied Folter, Verfolgungen und mutwillige Tötungen unterstützt und zu Zwangsvertreibungen angestiftet hatte.

Die Richter urteilten, Brdjanin habe die bosnisch-serbische Armee und die Polizei bei der Unterhaltung von Gefangenenlagern unterstützt, weil er als Chef des Kriegskrisenstabs in der Krajina nicht eingegriffen habe. Während des Krieges waren tausende Zivilisten in Lagern in Omarska, Trnopolje und Keraterm gesperrt worden. Bilder ausgemergelter Gefangener schockierten die Welt.

Dem UNO-Tribunal zufolge hat der frühere Vizeministerpräsident mit seiner Ankündigung, dass nur ein kleiner Teil nicht-serbischer Bürger in der Region bleiben dürfe, zu Vertreibungen angestiftet. Während des Bosnienkrieges waren Zehntausende bosnische Moslems und Kroaten aus der Krajina geflohen. Mit Blick auf den Vorwurf des Völkermordes sagte der Vorsitzende Richter, Carmel Agius, es gebe nicht genug Beweise dafür, dass in der von den Serben ausgerufenen autonomen Region Krajina ein Völkermord begangen worden sei.

Der vom weiterhin flüchtigen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic geförderte Politiker war im Juli 1999 an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden. Die seitdem verbüßte Haftzeit wird ihm auf die Strafe angerechnet. Der Prozess gegen ihn hatte 284 Verhandlungstage in Anspruch genommen.(apa/red)

31.8.2004 22:20