Montag, 30. August 2004

Briefbombenterror in Niederbayern: Sekretärin an Hand verletzt

  • Insgesamt sechster derartiger Attentatsversuch auf Politiker

Bei der Serie von Briefbombenattentaten auf Politiker in Niederbayern ist erstmals ein Sprengsatz explodiert. Eine Sekretärin des Regener Landrates Heinz Wölfl (CSU) sei beim Öffnen der Sendung leicht verletzt worden, sagte Polizeisprecher Manfred Brückl. Ursprünglich hatte es geheißen, es sei niemand zu Schaden gekommen. Eine zweite Briefbombe konnte im Rathaus von Straubing sicher gestellt werden.

Mitarbeiter der Stadt hatten die an Bürgermeister Reinhold Perlak (SPD) adressierte Sendung als verdächtig aussortiert und die Polizei gerufen. Insgesamt sind damit in den vergangenen fünf Monaten in dem ostbayerischen Bezirk sechs Bomben an Kommunal- und Bundespolitiker verschickt worden.

In der Regener Kreisbehörde wurden der Sekretärin bei der Explosion die Haare versengt. Die Bombe zündete um 9.45 Uhr im Vorzimmer des Landrates. Die seit April verschickten Sprengsätze waren bisher nie detoniert. Sie waren vermutlich aus Pulver von Silvesterfeuerwerk gebaut worden.

Anders als die Mitarbeiter der Stadt Straubing erkannte die Sekretärin des Regener Landesrates die Bombe in der Tagespost nicht. Beim Öffnen des Umschlags ging der Sprengsatz hoch. "Es war eine Art Verpuffung, sonst wären die Verletzungen der Frau schwer wiegender gewesen", erklärte Polizeisprecher Brückl. Die Straubinger Briefbombe wurde fast zeitgleich entdeckt. "Der Umschlag ist gleich als verdächtig eingestuft worden - auf Grund des Schriftbildes, der Dicke und des Gewichts", sagte Brückl.

Ob alle bisher verschickten Bomben vom gleichen Attentäter stammen, ist noch nicht mit Sicherheit geklärt. Die Ermittler glauben allerdings an einen Zusammenhang. Psychologisch geschulte Experten haben ein Täterprofil erstellt. Die Polizei vermutet einen 40 bis 60 Jahren alten Mann hinter der Anschlagsserie. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um einen Täter handelt, der allgemein Groll auf Politiker hegt.(apa/red)

30.8.2004 14:44