Aufgedeckt: Euro-Fälscherbande mit 200er-Banknoten "groß" im Geschäft!
- Lehrbeispiel für "Organisierte Kriminalität" - 56 Verdächtige
Eine österreichisch-bulgarische Euro-Falschgeldbande war im Wortsinn "groß" im Geschäft mit "Blüten": Die Täter hatten sich auf die Verteilung gefälschter Banknoten mit einem Nennwert von 200 Euro spezialisiert. Bisher waren international eher kleinere Scheine nachgemacht worden.
Die Strukturen der Bande können als Lehrbeispiel für "organisierte Kriminalität" herhalten: Es gab Auftrag- und Geldgeber, Produzenten, Abholer und Verteiler. Zusätzlich agierte die Gruppe auch noch im Drogengeschäft.
"Die 200er in diesem Ausmaß, das ist neu", sagte der Leiter des Bundeskriminalamts (BK), Herwig Haidinger, bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Polizei appelliert an die Bevölkerung: Gerade bei "großen" Scheinen sollte man sich für eine Prüfung der Sicherheitsmerkmale Zeit nehmen.
"Die Tätergruppe hat im November und Dezember 2003 gefälschte Banknoten im Nennwert von 89.000 Euro nach Österreich gebracht", berichtete der Leiter des Kriminalamts Wien, Roland Horngacher. "Es waren 445 gefälschte 200-Euro-Scheine, die mit zwei Schmuggelfahrten nach Wien kamen", sagte Major Martin Roudny vom Kriminalkommissariat Wien-Mitte. Für die Falsifikate war den Herstellern ein Fünftel des Nennwerts bezahlt worden.
Dank "Teamarbeit und internationaler Polizeikooperation" und nicht zuletzt mit Hilfe zweier bulgarischer Verbindungsbeamter in Wien sind 56 Verdächtige ausgeforscht und angezeigt worden. 34 davon sitzen in Untersuchungshaft, darunter sieben Österreicher. Die Amtshandlung hatte Monate gedauert.
Als Haupttäter gelten ein 37-Jähriger aus Gmünd (NÖ) - er soll den Auftrag und das Geld gegeben haben -, sowie ein 36-jähriger Bulgare, der die Kontakte in Sofia hatte. Eine Landsfrau half bei der Anbahnung. Auf beiden Schienen - Falschgeld und Suchtgift - war ein 44-jähriger gebürtiger Steirer aus Wien unterwegs, der für die Abwicklung des "Blüten"-Deals sowie den Transport nach Österreich verantwortlich und außerdem mit Drogenhändlern im Geschäft war.
Das Falschgeld kam per Bus nach Wien und wurde in einer Wohnung zwischengebunkert. Der Bulgare behielt 30.000 Euro, der gebürtige Steirer 34.000 Euro. Sieben Verteiler - großteils Österreicher - brachten die Scheine in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland unter die Leute. Sie kauften in Geschäften mit vielen Kunden - Super- und Baumärkten, Bauern- und Drogeriemärkten sowie Imbisslokalen - mit den großen Scheinen um kleine Beträge ein - und bekamen viele echte Euros retour. Nur in zwei Rotlichtlokalen fielen die Fälschungen sofort auf.
Es handle sich um "gute" Falsifikate, die schon in mehreren EU-Ländern aufgetaucht seien, erläuterte Leopold Löschl vom Referat Betrug und Fälschung des BK. Die "Blüten"-Werkstatt lag in Varna am Schwarzen Meer. Sie ist im Jänner ausgehoben worden, drei Verdächtige wurden festgenommen. Die internationalen Ermittlungen gegen den weit verzweigten Fälscherring laufen allerdings noch.
Auch im Drogenhandel mischten einige der Verdächtigen groß mit. Laut Horngacher hat die Bande nachweislich von Dezember 2003 bis Mai dieses Jahres im Raum Wien und Niederösterreich mit Suchtgift im Gesamtwert von rund 500.000 Euro gedealt: fünf Kilogramm Kokain, 2,5 Kilo Speed, 12.000 Ecstasy und acht Kilo Marihuana. (apa)
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