"Sex"-Affäre um Pater Paterno: Sicher- heitsdirektor bestätigt Ermittlungen!
- Auch gegen einen zweiten Geistlichen wird ermittelt
- Küng kündigt internes Vorverfahren an
Der Vorarlberger Sicherheitsdirektor Elmar Marent bestätigte am Freitag die Aufnahme der Ermittlungen im Fall August Paterno. Auch hinsichtlich des zweiten nicht namentlich bekannten Vorarlberger Geistlichen, gegen den Missbrauchsvorwürfe geäußert wurden, werde ermittelt, sagte Marent im APA-Gespräch. Diesbezüglich seien die Hinweise im Moment aber "sehr vage".
Der Sicherheitsdirektion seien die Namen möglicher Missbrauchsopfer, die August Paterno belasten, bekannt. Die Gespräche mit diesen Personen seien am Laufen. "Es geht in erster Linie darum zu eruieren, ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt", so der Sicherheitsdirektor. Weiters sei auch die Frage einer eventuellen Verjährung zu klären. Sollten sich die in den Medien transportierten Anschuldigungen als gerechtfertigt erweisen, würde am ehesten ein "Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses" vorliegen, sagte Marent. Das sei aber eine reine Vermutung. Zunächst gelte es die Ermittlungen abzuwarten.
Auch gegen einen zweiten Vorarlberger Geistlichen, der Jugendliche missbraucht haben soll, wurden Ermittlungen eingeleitet. "Wir wollen die Sache sauber aufarbeiten, auch falls sie strafrechtlich nicht mehr relevant, weil verjährt ist", so Marent. Die Identität des Beschuldigten ist weiter unbekannt.
Küng: Vorverfahren eingeleitet
Gegen Kaplan August Paterno wurde von der Diözese Feldkirch das kircheninterne Vorverfahren - gleichbedeutend mit der Erhebung der Tatsachen - eingeleitet. Es handle sich dabei aber nicht um eine Vorverurteilung, betonte der Feldkircher Diözesanbischof Klaus Küng am Donnerstag. Gegen Paterno besteht der Verdacht des sexuellen Missbrauchs von mindestens zehn Jugendlichen. Und auch gegen den St. Pöltener Bischof Kurt Krenn soll neuerlich eine Anzeige eingebracht worden sein.
Er habe Kaplan Paterno angewiesen, im Vorverfahren von Auftritten in der Öffentlichkeit abzusehen, sagte Bischof Küng. Dies sei eine "Maßnahme der Klugheit". Paterno sei aber nicht suspendiert. Es sei wohl kein Zufall, dass die Vorwürfe gegen Kaplan August Paterno gerade jetzt - zum Zeitpunkt der Visitation in St. Pölten - publik wurden, äußerte sich der Bischof.
Paterno selbst ist wegen der Vorwürfe "völlig fertig", nennt die Vorwürfe aber im selben Atemzug "absurd".
Küng: Verdacht, dass Vorfälle benützt werden um andere Ziele zu verfolgen
"Ich habe Verdachtsmomente und konkrete Hinweise, dass die Vorfälle benützt werden, um andere Ziele zu verfolgen." Konkrete Verdächtigungen wollte Küng aber auch auf Nachfragen der Journalisten nicht in den Raum stellen. Er betonte, dass er "nichts zudecken" wolle. "Wir müssen die Wahrheit sehen, jeder soll in seinem Haus kehren, wir auch, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist".
Benno Elbs, Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch und von Bischof Küng mit der Abklärung der Vorwürfe beauftragt, bestätigte, sich bereits mit mutmaßlichen Opfern unterhalten zu haben. Zur Glaubwürdigkeit der Anschuldigungen wollte der Pastoralamtsleiter aber nichts sagen: "Dazu ist es zu früh." Auch hinsichtlich der Dauer der Erhebungen blieb Elbs vage: "So schnell wie möglich". Weiters bestätigte Elbs, dass bei der Ombudsstelle der Diözese Feldkirch seit Bekanntwerden der Anschuldigungen einige Anrufe möglicher weiterer Opfer eingegangen seien. Er habe jedoch noch nicht Zeit gefunden, alle zurückzurufen, zudem seien ihm auch nicht alle Gesprächsinhalte der Anrufe bekannt.
Zur Andeutung der Psychotherapeutin Rotraud Perner, die am Mittwoch einen zweiten Vorarlberger Geistlichen des Missbrauchs beschuldigt hatte, sagte Elbs, dass man der Sache erst nachgehen könne, wenn man wisse, wer der Verdächtige sei. Perner, die selbstverständlich an die Schweigepflicht gebunden sei, habe ihm gegenüber keinen Namen genannt.
"Befinden uns im Prozess der Läuterung"
"Wir befinden uns alle in einem Prozess der Läuterung", antwortete Bischof Küng nach dem Schaden für die Kirche auf Grund der Missbrauchsanschuldigungen. Man müsse nachdenken, ob es richtig laufe. Es seien aber "dekadente Entwicklungen in der Gesellschaft zu erkennen, die auch in die Kirche eingedrungen seien. "Wir müssen versuchen, ein Leben im Sinne Christi zu führen", so der Bischof. (apa/red)
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