Mittwoch, 1. September 2004

Europäische Einwanderung zum Vorteil der Herkunfts- und Zielländer gestalten

  • Experte Münz: "Derzeitiges Asylrecht untaugliches Mittel für Zukunft"

Ein Umdenken in der europäischen Einwanderungspolitik regen der Migrationsexperte Rainer Münz und Weltbank-Direktor Robert Holzmann an. Das derzeitige System des Asylrechts "ist ein untaugliches Mittel unsere Zukunft zu gestalten", sagte Münz am Rande des Europäischen Forums Alpbach. "Das Asylrecht ist ein humanitäres Ausnahmerecht, das dazu da ist, um mit humanitären Krisen umzugehen."

Durch die demographische Entwicklung in Europa und die künftige Situation am Arbeitsmarkt werde es aber "mehr Migration geben". Die Frage, "geschieht das passiv, oder ist das etwas, was wir aktiv gestalten können?" "Wir wollen Asylverfahren nicht abschaffen", erläuterte Münz. Die Frage sei aber, wie gestalten wir Zuwanderung in bestem gemeinsamen Interesse.

Ein Beispiel aus dem Pflegebereich: Allein in Österreich werden in den nächsten zehn Jahren bis zu 30.000 zusätzliche Beschäftigte benötigt. Auf den Philippinen werden wesentlich mehr Krankenschwestern ausgebildet als das Gesundheitssystem benötigt. Die Philippinen unterstützen das mit der Perspektive, dass man später im Ausland arbeiten könne und zum Teil ein Vielfaches davon verdiene, als auf den Philippinen. Dies ermöglicht die Refinanzierung der Ausbildung, nicht zuletzt durch Rücküberweisungen der Philippinen."

Die Gefahr, dass die Migranten den Einwohnern die Arbeitsplätze wegnehmen, sehen die beiden Experten nicht. Länder mit hoher Einwanderungsrate wie die USA zeigten, "dass es sehr wohl möglich ist, ein hohes Maß an Migration mit hoher wirtschaftlicher Dynamik zu verbinden". Auch haben Länder die Migration verhindern nicht die geringsten Arbeitslosenraten.

In Zukunft gebe es "demographische Ungleichgewichte" zwischen dem Norden Europas und Ländern des Mittelmeers. Holzmann: "Der Verlust an Arbeitskräftepotenzial in Europa bis 2050 liegt bei 50 oder mehr Millionen Leuten bei gegebener Migration." Und er ergänzte: "Jedes Mal, wenn es demographische Ungleichgewichte gibt, gibt es die Möglichkeit eines vorteilhaften Tausches.(apa/red)

1.9.2004 17:34