Mittwoch, 1. September 2004

Caritas: Erstklassler-Pakete bis zu 230 Euro sind für viele Eltern unleistbar

  • 227.000 Kinder in Österreich sind armutsgefährdet
  • Caritas-Chef Küberl: "Das Geld haben längst nicht alle"

Der nahende Schulanfang bereitet nicht nur so manchem Schüler, sondern auch vielen Eltern ein flaues Gefühl: "Besonders ärmere Familien wissen oft nicht, wie sie die Schulsachen für ihre Kinder finanzieren sollen", weiß Caritas-Präsident Franz Küberl. "Alleine die Startpakete für die Erstklassler und Erstklasslerinnen kosten laut Konsumentenschutz zwischen 65 und 230 Euro. Dieses Geld haben längst nicht alle."

Immerhin 227.000 Kinder in Österreich sind armutsgefährdet. 87.000 Kinder gelten als arm. Das bedeutet, ihre Eltern leben unter der Armutsgrenze. Küberl: "Damit ist Kinderarmut auch hier traurige Realität, obwohl man sie oft nicht auf den ersten Blick erkennen kann."

Armut trifft Kinder besonders stark
In zahlreichen Kontakten mit Menschen, die bei der Caritas Rat und Hilfe suchen, erleben die MitarbeiterInnen, dass Armut Kinder besonders stark trifft: "Wer nicht mit auf Schulschikurs fahren, nicht mit ins Kino gehen kann oder gar in den abgetragenen Sachen der älteren Geschwister herumlaufen muss, wird rasch zum Außenseiter", so Küberl. Materielle Not gehe meist mit immaterieller Not einher, führe zu Stress, Krankheiten, Minderwertigkeitsgefühlen oder auch Einsamkeit. "Ein Schlüssel, um der Armutsspirale zu entkommen, ist Bildung. Sie ist der Grundstein für einen qualifizierten Beruf und eine gesicherte Existenz", freut sich Küberl in diesem Zusammenhang über den Philips Schülerfonds. Aufholpotenzial ortet der Caritas-Präsident etwa im österreichischen Schulsystem. Dieses biete laut PISA-Studie Kindern aus benachteiligten Familien weniger Chancen als in vergleichbaren Ländern Europas. Daneben sei aber das Engagement jedes einzelnen gefragt.

Preisgekrönter Schülerfonds
Besonderes Engagement zeigte Philips mit der Gründung des Schülerfonds: Seit dem Start im September 2003 hilft dieser benachteiligten Kindern jeder Herkunft im Pflichtschulalter in ganz Österreich. Die Caritas übernimmt die Abwicklung des Fonds über ihre Sozial- und Familienberatungsstellen in allen Bundesländern. Heuer wurde das innovative Projekt mit dem Trigos-Preis für sozialverantwortliches Verhalten von Unternehmen belohnt. "Eine solide und glückliche Schulzeit ist eine wichtige Basis, um den Schritt aus der Armut zu schaffen und das Leben erfolgreich zu meistern", ist Philips-Kommunikationschefin Beate McGinn überzeugt. Zum Start packte Philips 70.000 Euro in die "Schultüte". Für das Schuljahr 2004/2005 ist es wieder so viel. "Es geht uns auch darum, andere auf die Situation von SchülerInnen in Armut aufmerksam zu machen und als MithelferInnen einzubinden", so McGinn.

Zusätzliche Mittel in der Höhe von 45.000 Euro wurden über die Kurier-Weihnachtsaktion und die aktive Einbindung von Philips-MitarbeiterInnen und GeschäftspartnerInnen gewonnen. Bereits im "Jahr eins" konnten so 796 Kinder hauptsächlich mit Geld für Schulmaterial, Kleidung und Lernhilfen unterstützt werden. Insgesamt wurden 88.349 Euro ausbezahlt. Dazu kommt die nachhaltige Hilfe durch den Philips Zukunftsvoucher, den jedes unterstützte Kind erhält. Mit diesem Voucher bietet Philips dem Kind auch nach der Grundschule Hilfe an z.B. beim Finden einer Lehrstelle, eines Ferialjobs, eines Praktikumsplatzes, eines Werksstudentenplatzes oder beim Erstellen einer Diplomarbeit/Dissertation.

Malwettbewerb zugunsten von Kindern in Not
Ende September fällt der Startschuss zum österreichweiten Malwettbewerb "Jeder ist manchmal arm". Rund 380.000 SchülerInnen in allen 3.300 Volksschulen werden eingeladen daran teilzunehmen. Damit sollen die VolksschülerInnen motiviert werden, sich mit den materiellen und immateriellen Aspekten von "Kinderarmut" konstruktiv auseinanderzusetzen. Das Schreibwarenunternehmen Brevillier Urban ("Jolly") spendet für jedes eingesandte Bild einen Euro an den Philips Schülerfonds. "In hochzivilisierten Ländern wie Österreich wird die bestehende Armut, gerade wenn Kinder betroffen sind, negiert oder verdrängt. Eine bewusstseinsfördernde Maßnahme wie der Malwettbewerb ist daher aus unserer Sicht mehr als unterstützenswert", sagt auch Jolly-Marketingmanagerin Michaela Muschitz-Fink. Ein weiterer positiver Aspekt aus ihrer Sicht: "Neben der Bewusstseinsbildung und der Möglichkeit, konkret helfen zu können, wird auch noch die Kreativität der Kinder gefördert."

"Die Aktionen zugunsten des Philips Schülerfonds verhelfen Kindern aus armen Familien zu mehr Chancengleichheit und tragen so zu einer besseren Zukunft bei", so Küberl abschließend. (apa)


1.9.2004 12:50