Montag, 30. August 2004

Steirischer Weinbauer wegen schwerer Kindesmisshandlung verurteilt

  • Neunjährige Stieftochter und acht Jahre alten Stiefsohn über Jahre verprügelt - Ein Jahr bedingte Haft

Zu einem Jahr Freiheitsstrafe, davon vier Monate unbedingt, wurde am Montag ein südsteirischer Weinbauer verurteilt. Der 32-Jährige stand vor dem Grazer Straflandesgericht, weil er über zwei Jahre seine beiden minderjährigen Stiefkinder - jetzt neun und acht Jahre alt - schwer misshandelt haben soll. Auch soll er seine Ehefrau mit dem Umbringen bedroht haben. Der Mann zeigte sich geständig und reumütig. Er bekam die Weisung, eine bereits begonnene Aggressionstherapie fortzusetzen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Kinder zu schlagen ist schlimm, eine Schweinerei und Sauerei", warf der Richter Wolfgang Wladkowski dem Beschuldigten vor." Sehr schlimm", kam es reumütig von der Anklagebank. "Warum schlägt man Kinder?", wollte der Richter wissen. "Ich war sehr aggressiv in letzter Zeit", versuchte sich der 32-Jährige, der bereits 1998 wegen des selben Delikts zu einer zwölfmonatigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden war, zu rechtfertigen: "Es gab viele Streitereien mit meiner Noch-Ehefrau". Die Hemmschwelle sei gesunken. Er könne sich das alles nicht erklären, allerdings gab der Anwalt des Mannes an, dass der Beschuldigte selbst als Kind misshandelt worden sei.

In der Anklageschrift war von Ohrfeigen, Faustschläge gegen den Kopf und das Gesicht, Fußtritte, Kniestöße und Würgen die Rede. "Ich habe nichts übrig für solche Sachen", erklärte Wladkowski: "Ich weiß, wie weit das führen kann". Ob ihm die beiden Stiefkinder - zur Zeit der Tat sechs und fünf Jahre alt - nicht leid getan hätten. "Doch", so der 32-Jährige leise.

Seine Frau soll er mit dem Umbringen bedroht haben, wenn sie die Exekutive einschalte. Das sei nicht ernst gemeint gewesen, rechtfertigte sich der Weinbauer. "Dann tun Sie so etwas nicht. Als Außenstehender weiß man das ja nicht", wies der Richter den Angeklagten zurecht. Auch die Noch-Ehefrau - ein Scheidungsverfahren ist gerade im Laufen - soll die beiden Kinder verprügelt haben. Gegen sie läuft laut Wladkowski ein gesondertes Verfahren.

Der Weinbauer, der sich in Konkurs befindet, erhielt eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe, vier Monate davon unbedingt. Ihm wurde ein Bewährungshelfer beigestellt. Außerdem müsse der 32-Jährige eine Aggressionstherapie, die er momentan in einer Männerberatungsstelle besucht, fortsetzten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (apa/red)

30.8.2004 11:04