Mittwoch, 25. August 2004

ÖAMTC: Vorbereitung auf den künftigen Schulweg sollte jetzt begonnen werden

  • Wichtig: Erwachsene müssen Vorbilder sein
  • Und: Die kürzeste Strecke ist nicht immer die sicherste

Die Ferien neigen sich dem Ende zu, für viele zukünftige Taferlklassler beginnt jetzt bald der "Ernst des Lebens". "Für die Schulanfänger ist nun gute Vorbereitung auf den künftigen Schulweg enorm wichtig. Der Zeitpunkt, damit zu beginnen, ist gekommen", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa. Der Club rät deshalb zu folgenden wichtigen Tipps...

Schon das frühe Aufstehen muss trainiert werden, denn die Kleinen sollen schrittweise an den neuen Tagesrhythmus gewöhnt werden. Gemeinsam mit den Sprösslingen wird die Route zur Schule verbindlich festgelegt und nun wiederholt geübt. Der Schulweg ist nicht an einem Tag erklärt und gelernt.

Üben, üben, üben...
Je länger und schwieriger der Schulweg, umso mehr Wiederholungen sind notwendig. Beim Abgehen des Schulweges erklären Mama und Papa in kindgerechten Worten, wo und wie das Kind gehen soll und worauf es achten muss - sei es bei Ampeln, Zebrastreifen, einbiegenden Autos oder Toreinfahrten.

Das braucht Zeit, denn alles muss erst gelernt werden. Damit zum Beispiel der Schutzweg nicht zum erhöhten Risiko wird, gilt es auch hier, das richtige Verhalten einzutrainieren. Vor dem Schutzweg stehen bleiben, durch ein deutliches Handzeichen darauf aufmerksam machen, dass man über die Straße gehen will. Unbedingt warten, bis die Autos aus beiden Richtungen angehalten haben, schauen und über die Straße gehen.

Kinder sind gute Beobachter
Am besten ist, die Eltern machen die richtigen Verhaltensweisen vor und kommentieren die einzelnen Schritte dabei laut: "Die Ampel steht auf 'Grün', trotzdem müssen wir zuerst stehen bleiben, weil wir auf die abbiegenden Autos oder Radfahrer achten müssen. Dabei ist es wichtig, dass du immer wieder genau in beide Richtungen schaust."

Wichtig ist, dass sich die Erwachsenen dem Tempo des Kindes anpassen und auch mal von ihrem Sprössling führen lassen. So finden Sie heraus, wie lange der Kleine für den Weg braucht. Eltern können an unübersichtlichen Stellen ruhig auch mal in die Knie gehen, um die Sichtweise des Kindes zu verstehen.

Erwachsene müssen Vorbilder sein
Die Verkehrspsychologin des Clubs rät: "Lassen Sie sich die Eindrücke und Schwierigkeiten ihres Kindes schildern. So erfahren Sie am besten, wo Ihr Kind noch Probleme hat und Fehler können ausgebessert werden. Als Vorbilder müssen die Erwachsenen selbstverständlich bei der roten Fußgänger-Ampel stehen bleiben und dürfen sich nicht zwischen parkende Autos durchschlängeln."

Der kürzeste Weg ist nicht der Sicherste
Die ÖAMTC-Expertin empfiehlt den Eltern, gemeinsam mit den Kleinen den sichersten Weg ausfindig zu machen. Das muss nicht immer der kürzeste sein. Kinder sollten die Straße so wenig wie möglich überqueren müssen. Daher unbedingt einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, wenn dadurch das Überqueren sicherer wird. Ein Schulwegplan ist dabei sehr hilfreich.

Bevor Kinder alleine gehen, vergewissern Sie sich, dass ihr Kind den Schulweg alleine bewältigen kann. "Beobachten Sie Ihren Sprössling dabei aus der Entfernung. Wenn er sich nicht an die vereinbarten Regeln hält, sprechen Sie mit ihm darüber und begleiten sie ihr Kind weiter", so Donosa.

Vorsicht vor der Schule!
Wer sein Kind mit dem Auto in die Schule bringt oder abholt, sollte beim Ein- und Aussteigen besonders aufpassen. Kinder immer zur Gehsteigseite hin aussteigen lassen. Dazu gehört auch überprüft, ob der Kindersitz auf der richtigen Seite angebracht ist. Beim Abholen nie auf der gegenüberliegenden Seite warten.

Die Kinder stürmen nach dem Unterricht aus der Schule und rennen dann oft ohne auf den Verkehr zu achten über die Straße. "Bitte nicht vergessen, die Kinder immer, auch auf kurzen Wegen, ordnungsgemäß zu sichern", appelliert Donosa. Auch wenn Eltern Fahrgemeinschaften bilden und ihre Kinder abwechselnd zur Schule bringen, muss jedes Kind einen geeigneten Kindersitz haben.

Richtiges Verhalten im Schulbus
Auch Schulbuskinder sollen das richtige Verhalten an der Haltestelle beim Ein- und Aussteigen lernen: "Wenn der Bus in die Haltestelle einfährt, genügend Abstand zum Randstein halten und beim Einsteigen nicht drängeln. Beim Aussteigen müssen Kinder unbedingt warten, bis der Schulbus weg ist und dürfen erst dann die Straße queren, wenn sie freie Sicht haben und kein Fahrzeug kommt", sagt Donosa.

Traurige Unfallbilanz
Im Jahr 2003 gab es 507 Unfälle mit Schülern auf dem Weg zur oder von der Schule. Dabei wurden 556 verletzt und zwei Schüler getötet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4.074 Kinder verletzt und 37 getötet. "Es ist daher ganz besonders wichtig, neben dem Schulweg auch den Weg zu Freunden oder zum Spiel- oder Sportplatz einzulernen und zu trainieren", so die Verkehrspsychologin abschließend.


25.8.2004 10:45