Montag, 23. August 2004

Griechischer Wein erlebt ein Revival: Die Zeiten vom knochigen Weißen sind vorbei

  • Wie junge Winzer den Nationalwein auf den Olymp führen
  • PLUS: Womit der neue griechische Wein punkten kann

Griechischer Wein ist auf dem besten Weg nicht nur ein viel besungener sondern vor allem äußerst schmackhafter Exportschlager Griechenlands zu werden. Bereits die alten Griechen verstanden es, mit dem aromatischen Getränk Geschäfte zu machen. Die Zeiten von essigstichigem Roten sind längst vorbei. Junge Winzer sind dabei, den miesen Ruf des griechischen Weins zu verbessern.

Griechischer Wein war eine begehrte Ware, mit der die Alten Griechen Korn aus Ägypten, Holz aus Kaukasien und Silber aus Iberien bezahlten. Noch bis ins Mittelalter wärmten sich die Wikinger an langen Winterabenden vorzugsweise am Süssen aus Samos. Dann kamen die Türken und machten der Weinseligkeit für Jahrhunderte ein Ende.

Weinverbot
Es war zwar nicht verboten, Wein zu keltern und zu trinken, aber Austausch über die Grenzen des Grossosmanischen Reiches hinaus war nicht möglich. Während sich in Frankreich – und nicht nur dort – hochwertige Weinbaugebiete mit flotten Absatzchancen entwickelten, blieben die Griechen im Mittelalter stecken. Dabei ist es vielerorts geblieben.

Besser als der Ruf
Welcher Griechenlandbesucher kennt nicht den lauwarm servierten Rosé, die knochigen Weissen und essigstichigen Roten aus dem Plastik-Bidon, die in den ländlichen Tavernen – und oft auch in besseren Restaurants – eingeschenkt werden? Doch seit einigen Jahren hat sich eine ganze Generation jüngerer Önologen aufgemacht, um den miesen Ruf des griechischen Weins zu verbessern.

Innovative Methoden
So gibt es denn inzwischen, neben den marktbeherrschenden Weinunternehmen wie Achaia Claus, Boutari, Kourtakis und Tsantalis eine Reihe innovativer Mittel- und Kleinbetriebe, die den zum Teil archaischen Weinbereitungsmethoden abgeschworen haben. Sie investierten in zeitgemässe Techniken inklusive Edelstahltanks sowie Kühlanlagen zur temperaturgesteuerten Vergärung – heute unabdingbar in heissen Weltgegenden.

Womit griechischer Wein punktet
Was für griechischen Wein spricht, sind die vielen autochthonen Reben, die auf dem Festland und den Inseln gedeihen. Der internationalen Sorten überdrüssig, wenden sich viele Weinliebhaber eigenständigen Gewächsen zu. Und: So genannte Hot-Climate-Weine aus Europas Süden boomen. Dank Sonne und Wind sind Fäulnis und Pilze kein Problem, biologischer Anbau somit auch nicht. (red)

23.8.2004 10:59