Mittwoch, 25. August 2004

Bushs brutales Finish

George Bush geht in die Offensive: So hart wird das finale Duell um das Amt des US-Präsidenten
Bushs Angriff: Eigenlob als Antiterrorkrieger, Untergriffe gegen Konkurrenten Kerry.

Es sind diese Auftritte vor ausgesuchten Mengen, wo sich US-Präsident George W. Bush am wohlsten fühlt. Vor meist biederen Midwestlern krempelt er dann seine Ärmel hoch. Bluejeans, Cowboystiefel und dicke Gürtelschnalle ergeben einen authentischen Texas-look. Bush schwadroniert über Freiheit, den Kampf gegen die „Terrorbösewichte“, Patriotismus, Steuersenkungen. Als Zeichen der Volksnähe lässt Kampagnenguru Karl Rove Fragestunden („Ask the President“) abhalten. Die Debatte braucht der Präsident dabei nicht zu fürchten: Alle Teilnehmer sind strikt auf ihre Bush-Treue abgeklopft und ihre Sozialversicherungsnummern überprüft worden.

Inszenierung des Kriegspräsidenten. So gibt es oft nur rührende Versprechen, für Bushs Wiederwahl „zu beten“ – oder so fesselnde Dialoge wie kürzlich in Oregon: „Mr. President, Sie flogen während Ihres Militärdienstes ein sehr gefährliches Flugzeug, die Delta 102“, sagt einer. „Richtig, und ich stehe immer noch“, scherzt Bush. „Ich wollte Ihnen recht herzlich danken“, sagt der Fan, „dass Sie unserem Land dienten.“ „Danke“, schließt Bush. Um die Vorstellung des während des Vietnamkrieges an der Heimatfront dienenden Politikersohnes nicht zu stören, werden Demonstranten aus „Sicherheitsgründen“ lieber oft Hunderte Meter weit vom Auftrittsort fern gehalten. Ab nächsten Montag können dann die wegen ihrer TV-gerechten Choreografie berühmten Regisseure der Bush-Wiederwahlkampagne ganze Arbeit leisten: Beim viertägigen Republikaner-Parteitag („Convention“) im New Yorker Madison Square Garden will Bush seine Agenda im Showdown gegen Demokraten-Herausforderer John Kerry ausrollen und sich als resoluter Kriegsherr und Beschützer der US-Bürger vor Osama bin Ladens Al-Qaida-Terroristen profilieren.

Aufholjagd startet in New York. Bushs Rede nächsten Donnerstag – exakt zwei Monate vor dem Wahltermin 2. November – soll den Texaner aus der statistischen Schwankungsbreite im bisherigen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen Kerry befreien. Laut CBS führt Kerry (46 %) knapp vor Bush (45 %). In der teuersten Wahlschlacht der US-Geschichte – Bush sammelte 242 Millionen, Kerry 233,5, Republikaner 245,3 und Demokraten 145,2 – setzte der Präsident bisher eher auf Attacken gegen Kerry als auf das Anpreisen eigener Errungeschaften. Die von texanischen Bush-Freunden finanzierte Gruppe „Swift Boat Veterans for Truth“ rüttelt an Kerrys Wahlkampffundament – seine beim Demokraten-Parteitag in Boston ausgerollte Bio als hoch dekorierter Vietnamheld. Die Anti-Kerry-Veteranen bezeichnen den Senator als Lügner, der sich Orden erschwindelt und Verletzungen aufgebauscht haben soll. Die von der Gruppe ausgestrahlten TV-Spots haben eine Vietnamdebatte losgetreten, das Buch „Unfit for Command“ stürmte die Bestsellerlisten. (siehe Kasten nächste Seite). Grund zur Beunruhigung für Kerry geben auch frühere Attacken von Handlangern des Bush-Clans: 1988 wurde Michael Dukakis mit brutaler Dauerpolemik durch Helfer von Bush senior als
„weltfremder Liberaler“ stigmatisiert; 2000 streuten Karl Roves Helfer im Primary-Showdown Bush jr. gegen den Vietnamhelden John McCain Gerüchte, der Kriegsgefangene McCain habe „Schlangen im Kopf“ gehabt (übersetzt: verrückt) und in Vietnam ein Kind gezeugt.

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25.8.2004 16:26