Mittwoch, 25. August 2004

Das irre Telekom-Theater

  • Nach Grassers Privatisierungs-Flop
  • So will TA-Boss Heinz Sundt Chaos entwirren

• Wirtschafts-Krimi: Wer beim geplatzten Verkauf der Telekom in die Schweiz wirklich die Fäden zog.
• Mobilkom-Poker: Wie jetzt die Handy-Tochter der Telekom Austria Grassers Milliardenloch füllen soll.
• Kampf-Ansage: Warum der TA-Boss gegen den A1-Verkauf mobil macht: Sundt im Interview.

Eigentlich hatten Finanzminister Karl-Heinz Grasser und die Bosse der ÖIAG vom ganz großen Milliardendeal geträumt. Die Telekom Austria, so ihre Vision, sollte in der mehr als doppelt so großen Swisscom aufgehen und mit frischem Kapital die Märkte in Osteuropa aufrollen. Erhoffter Erlös für das Budget: rund 3,5 Milliarden Euro.

Doch nur kurz nachdem Grasser & Co den Champagner bereits vorsorglich eingekühlt hatten, wurden sie brutal aus ihren Träumen gerissen. Kanzler Wolfgang Schüssel – er wurde nahezu täglich über den Verhandlungsfortgang informiert – zog nach einem Polit-krimi die Notbremse und erteilte dem Verkauf in allerletzter Sekunde eine Abfuhr. Der Grund: Jörg Haider hatte damit gedroht, bei einem Telekom-Ausverkauf die VP-FP-Koalition zu sprengen.

Grasser machte Druck. Am Donnerstag der Vorwoche mussten dann die mit den Verhandlungen beauftragten ÖIAG-Manager öffentlich das Scheitern eingestehen. Drei Monate intensiver Verhandlungen auf höchster Geheimhaltungsstufe waren mit einem Schlag zunichte. Der eigentliche Witz der Geschichte: Grasser und mit ihm die Regierungsspitzen hatten die ÖIAG höchstselbst motiviert, den Telekom-Verkauf an die Swisscom auszuverhandeln.

Mobilkom vor Verkauf? Statt auf den Megacoup anzustoßen, stehen der Finanzminister und die von ihm an der kurzen Leine gehaltene Staatsholding ÖIAG nun vor einem Megadesaster. Möglicher Ausweg für Grasser: Er könnte seine leere Budgetkassa nun mit dem Verkauf der gewinnträchtigen Telekom-Tochter Mobilkom mit ihrer Marke A1 füllen.

Sie könnte im Frühjahr, gleichsam als Ersatz für die Mutterfirma, versilbert werden. Aus dem Wert und dem internationalen Interesse an seinem Unternehmen macht auch Mobilkom-Austria-Boss Boris Nemsic kein Hehl: „Wir waren das Ziel der Swiss-com beim geplatzten Deal. Man hat gesehen, dass wir als lukratives Unternehmen sehr gut auch allein existieren können.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWs
PLUS: Polit-Krimi: Wie Heinzel & Haider den TA-Deal killten
PLUS: Telekom-General Sundt zur Rolle der ÖIAG und zu seiner TA-Zukunft

25.8.2004 16:14