Mittwoch, 25. August 2004

„Der Untergang“: Hitlers letzteTage

Der Film: NEWS sah das Drama über den persönlichen Endkampf des Weltenzerstörers vorab in Berlin.
Die Rolle: Bruno Ganz brilliert in der Rolle des einsamen, todkranken Nazi-Monsters im Führerbunker.

Als das Ende naht, ist Hitler endlich bereit, sich seiner ewigen Geliebten Eva Braun anzutrauen. Doch der Standesbeamte macht Fisimatenten. Nach den Rassengesetzen sei er verpflichtet, zu fragen: Sind die beiden Heiratswilligen denn arischer Abstammung? Doch obwohl beide naturgemäß bejahen, genügt das dem pflichtbewussten Reichsbeamten nicht. „Einen Ausweis, bitte“, fordert er, bis Goebbels mahnend eingreift: „Das ist doch der Führer!“

Doch den durchschaut nicht einmal seine Langzeitgefährtin. Juliane Köhler, die als kesses Fräulein Braun grandios performt: „Jetzt kenne ich ihn schon so lange und weiß immer noch nichts über ihn“, gesteht sie grüblerisch und setzt nach: „Obwohl er ja gerne redt.“

Hitler – der Film. Hitler – das unbekannte Wesen. Der Führer – wer war er wirklich? Monster, Psychopath, Massenmörder? In „Der Untergang“, einer Großproduktion für 14 Millionen Euro, gibt Ausnahmemime Bruno Ganz dem Grauen ein Gesicht. So echt, dass Joachim Fest, Historiker und Autor der nämlichen Buchvorlage, erschaudert: „Wenn man ihn sieht, beginnt man zu frieren.“

NEWS sah den zum „deutschen Film des Jahres“ postulierten Streifen (Ö-Start am
17. September) als einziges österreichisches Printmedium vorab – in Berlin, der Stadt, in der Hitlers „Tausendjähriges Reich“ am Ende in Schutt und Asche versank.

Polit-Debatte. Es geht um den April 1945, um Hitlers letzte Tage im Führerbunker, und es geht auch um die Frage nach der politischen Korrektheit: Darf man mit Hitler Mitleid haben? Darf man das Nazi-Monster so zeigen? Als alten Mann, als einen, der 56 ist, aber wie 70 aussieht, der gebeugt durch die Gänge seines durch Granattreffer erschütterten Betonsarges schleicht, vermutlich parkinsonkrank, die zitternde Hand schamhaft hinter dem Rücken versteckt?

Ausnahmemime Bruno Ganz, von Anfang an Wunschkandidat für die Rolle, gestattet sich die Revolte. „Ich verspüre Mitleid mit den scheußlichsten Leuten. Wenn Sie mir das politisch erlauben, hatte ich auch Mitleid mit dem armen Kerl Hitler.“

Ohne jedes Tabu. Dem selbst sei, so Ganz, am wenigsten Mitleid gegeben gewesen, und das mache auch einen Teil seiner Rätselhaftigkeit aus. Ganz, unumwunden: „Warum soll man so eine Figur bis ins Unendliche tabuisieren?“ Während der Zeit intensiver Vorbereitung auf die Rolle habe er sich „gewappnet“. Denn: „Wenn man ja sagt zu so einer Rolle, dann muss man durch.“ Aufpassen hätte er müssen, um nicht zu tief einzutauchen in die Materie, in den Menschen Hitler, um sich nicht mit ihm zu identifizieren. Denn: „Mit so einer Figur kann man sich nicht identifizieren.“

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25.8.2004 15:20