Tod in Lignano: Doppelmord am Campingplatz
- Hintergrund: Wie es zum brutalen Camping-Mord an der italienischen Adria kam

Exklusiv: Die Eltern des Doppelmörders Siegfried V. sprechen über dessen Psyche. Was trieb den Mann, der seinen Sohn und dessen Freundin ermordete?
Marianne und Siegfried V. sitzen vor dem Diaprojektor im Wohnzimmer und versuchen, noch einmal das Leben ihres Sohnes zu beleuchten: Siegi in der Familienchronik Siegfried der Zweite genannt als Fünfjähriger johlend auf einem Holzpferd. Als Erstkommunikant feierlich beim Verlesen der Fürbitten. Als unsicher wirkender Teenager mit überdimensionaler Hornbrille. Schließlich als Vater bei der Taufe seines Erstgeborenen.
Beim letzten Dia, auf dem der Sohn mit den beiden Enkelkindern vor einem Campingwagen posiert, beginnt Marianne V., 65, heftig zu weinen: Da drinnen ist es passiert
Hinrichtung. In der Vorwoche erschütterte eine unfassbare Bluttat das ganze Land: In seinem Wohnmobil unweit des italienischen Badeortes Lignano soll der Techniker Siegfried V., 37, seinen gleichnamigen 16-jährigen Sohn und dessen 14-jährige Freundin mit einem Küchenmesser erstochen haben, ehe er Selbstmord verübte. Wie die Ermittlungen der Carabinieri ergaben, betäubte der gebürtige Oberösterreicher seine beiden Opfer mit Äther und tötete sie anschließend mit gezielten Herzstichen. Die italienischen Behörden schließen aber auch eine mögliche Täterschaft des Buben nicht gänzlich aus.
Das Motiv gibt jedenfalls Rätsel auf: Mussten die beiden Jugendlichen sterben, weil der Wahlkärntner Siegfried V. Angst hatte, dass sein Sohn zurück zur in Oberösterreich lebenden Mutter wollte? Waren es Existenzängste, die den angeblich hoch verschuldeten Unternehmer zur Verzweiflungstat trieben? Oder gar eine Eifersuchtsgeschichte zwischen Vater und Sohn, ein Buhlen um die bildhübsche junge Freundin des Jugendlichen?
Hatte Täter Krebs? Gut möglich auch, dass Siegfried V. an einer unheilbaren Krankheit litt. NEWS liegen E-Mails vor, welche die neue Lebensgefährtin von Siegfried V. übrigens die Mutter des ermordeten Mädchens an einen Geschäftspartner schickte. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Herrn V. mit der Chemotherapie begonnen werden musste, schrieb die Frau am 2. Juni 2004 und fügte hinzu, dass ihr Partner psychologische Betreuung nötig habe. Was dem Fall eine völlig neue Wende geben könnte: Hat eine schwere Krebserkrankung den Blutrausch ausgelöst?
Die Eltern von Siegfried V. können indes nicht nachvollziehen, wie er zum Mörder werden konnte. Er, der noch als Erwachsener auf den Sessel gesprungen ist, wenn eine Spinne im Raum war. Er, der umgefallen ist, wenn er Blut gesehen hat. Er, der Mann der Gegensätze.
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