Freitag, 27. August 2004

Österreich als Top-Standort: "Ein Kennertipp und Feinschmeckerlocation"

  • Steuerliche Entlastung lockt ausländische Unternehmen
  • Kritik an der mangelnden Englischsprachigkeit

Österreich festigt - trotz konjunkturbedingter Einbrüche im Vorjahr - seinen Ruf als Wirtschaftsstandort. Mit Österreichs Ruf als guter Standort gehe es aufwärts, meint auch ABA-Geschäftsführer Siegl. Österreich sei für internationale Unternehmen "eher ein Kennertipp und eine Feinschmeckerlocation". Internationale Investoren würden an Österreich den Zugang zu mittel- und osteuropäischen Märkten, die hohe Qualifikation und Motivation der Beschäftigten sowie die niedrige Gewinnbesteuerung durch die ab 2005 gesenkte Körperschaftssteuer schätzen.

Österreich gewinnt als Wirtschaftsstandort zunehmend an Attraktivität. Zu diesem Schluss kamen ÖVP-Budget- und Finanzsprecher Günter Stummvoll, der Geschäftsführer der Austrian Business Agency, Rene Siegl und der Vertreter der EU-Kommission, Karl Georg Doutlik am Freitag bei einem gemeinsamen Pressegespräch.

Österreich das Steuerparadis
Österreich sei hinsichtlich des Staatsdefizits, der steuerlichen Entlastung der Betriebe und der Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Infrastruktur "völlig auf Kurs" und "gut unterwegs", allerdings müssten die "Reformen weitergehen" und noch bestehende "Schwachstellen" beseitigt werden, meinte Stummvoll. Bei den Themen Pensionsharmonisierung, Gesundheits- und Verwaltungsreform sowie Privatisierungen und Entschuldung der ÖIAG habe Österreich noch "gewaltige Reformvorhaben" vor sich.

Wachsendes Bruttoinlandsprodukt
Das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wachse schneller als der EU- Durchschnitt, das Defizit sei deutlich geringer, der Verbraucherpreisindex steige erheblich langsamer und die Arbeitslosenquote sei im Vergleich zum EU-Durchschnitt halb so hoch, befand Stummvoll. In der Umsetzung des Lissabon-Prozesses liege Österreich ebenso wie bei der Standortattraktivität auf Platz drei. Aus Sicht des Internationalen Währungsfonds sei Österreich "ein Musterbeispiel für Reformen" in Europa.

Kritikpunkte
Als negativ an Österreich werde hingegen der relativ kleine Markt und das im Vergleich zu anderen Staaten nicht allzuhohe Wirtschaftswachstum gesehen. Von US- und japanischen Investoren werde zudem die im Vergleich zu Skandinavien oder den Benelux-Staaten mangelnde Englischsprachigkeit kritisiert. Problematisch sei auch das vorherrschende Image Österreichs als Kultur- und Tourismusland, wodurch mitunter die Glaubwürdigkeit als Wirtschaftsstandort fehle.
(apa/red)

27.8.2004 13:33