Donnerstag, 26. August 2004

Schwere Vorwürfe gegen Rewe-Gruppe: Schwarze Kassen bei Billa, Merkur & Co.?

  • Entlassener Manager: "Menschenverachtendes System"
  • Schalle weist Vorwürfe zurück, gesteht aber "Differenzen"

Von neuen Vorwürfen gegen den größten österreichischen Handelskonzern, die Rewe-Gruppe, die u.a. Billa, Merkur und Bipa betreibt, berichtete am Donnerstag die "ZiB 2". Angeblich würden Angestellte nicht korrekt bezahlt, die Arbeiterkammer wirft Billa vor, bei den Löhnen Steuern und Sozialabgaben zu hinterziehen. Der Rewe-Konzern wies diese Vorwürfe kategorisch zurück. "Schwarze Kassen gibt es nicht", erklärte Rewe-Generaldirektor Veit Schalle gegenüber der "ZiB 2".

Ein entlassener Rewe-Manager - der, wie er selbst formulierte, "zum inneren Zirkel des menschenverachtenden Systems" im Handel gehörte -, behauptete in der "ZiB 2", er sei "gezwungen worden", Löhne teils schwarz auszuzahlen - und er sei entlassen worden, weil er das Lohndumping bei den Mitarbeitern nicht mehr mittragen wollte.

Einschüchterung von Mitarbeitern
"Die sind zehn Stunden angemeldet, arbeiten 40 oder 50 Stunden, die Differenz bekommen sie mit Aushilfslöhnen ausgezahlt, die sind aber nicht versichert", erklärte er. Auf die Frage, ob die Differenz also schwarz ausgezahlt werde, meinte er: "So kann man sagen." Die Mitarbeiter würden "eingeschüchtert, unter Druck gesetzt werden, wird mit fristloser Kündigung gedroht. Da denken sie sich - besser für zehn Stunden nicht bezahlt bekommen und einen Job haben", so der Ex-Rewe-Manager.

Billa in erster Instanz verurteilt
Er hat sich an die Arbeiterkammer gewandt, so wie Mitarbeiter eines anderen Rewe-Betriebes. Billa-Mitarbeiter fühlten sich um ihren Lohn betrogen, sagte der AK-Jurist Hans Trenner. Er kämpft für mehrere Mitarbeiter - u.a. für einen, der "gesagt hat, ich will korrekt gezahlt bekommen und die wahren Stunden in den Computer eingetragen hat. Mit dem Ergebnis, dass er gekündigt worden ist. " Dieser Mitarbeiter habe geklagt und in der ersten Instanz gewonnen. Das Landesgericht Wr. Neustadt hob die Kündigung gerichtlich auf und befand, dass Billa zahlen müsse. Der Konzern hat das Urteil angefochten.

Schwarze Kassen?
Auch von den Techniken der "schwarzen Kassen" berichtete Trenner. Laut AK existiere im Konzern ein zweites Lohnauszahlungssystem. "Offenbar ist es so, dass Mitarbeiter, die nicht bereit sind, unbezahlt zu arbeiten, die Möglichkeit erhalten, über die Aushilfslöhnen einen Lohn zu erhalten, aus der Kassa, da wird dann ein Beleg hineingelegt, dass die Kassa wieder stimmt. Diese Zahlungen gehen am Steuer- und Sozialsystem vorbei."

Generaldirektor Schalle gesteht "Differenzen" ein
Rewe-Generaldirektor Veit Schalle erklärte laut "ZiB 2", dass es keine schwarzen Kassen gebe. Das würde den Konzernrichtlinien widersprechen und wäre strikt verboten. Wenn Überstunden nicht bezahlt worden seien, dann sei das zu prüfen. Allerdings - so Schalle in seiner Erklärung gegenüber der ZiB wörtlich - "es gibt bisweilen Differenzen zwischen aufgezeichneten und tatsächlich geleisteten Überstunden".

(apa/red)

26.8.2004 22:43