Montag, 23. August 2004

Nach Betriebsversammlungen: Proteste der Telekom-Mitarbeiter gegen Verkauf

  • Versammlungen in Leonding, Klagenfurt und Graz
  • ÖÖ-SPÖ-Vorsitzender Haider mit Kritk an Grasser

Mitarbeiter der Telekom Austria protestierten bei Betriebsversammlungen in Leonding bei Linz, Klagenfurt und Graz gegen die Verkaufspläne der Regierung. In der zweistündigen Versammlung in Leonding kamen Betriebsräte, Gewerkschafts- und Personalvertreter zu Wort. Der oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende und Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider kritisierte in einer Presseaussendung Finazminister Karl-Heinz Grasser.

Auch nach dem Platzen des Verkaufs der Telekom Austria an die Swisscom bleibt die Belegschaftsvertretung misstrauisch. Für sie sind die Verkaufspläne der Regierung nicht vom Tisch. Dagegen protestierten Telekom-Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung am Dienstagvormittag in Leonding bei Linz.

"Hände weg von unserer Telekom"
Zu der von der Belegschaftsvertretung organisierten zweistündigen Versammlung in der Kürnberghalle kamen nach ihren Angaben rund 750 der insgesamt etwa 1.600 Mitarbeiter in Oberösterreich. Das wurde angesichts der Urlaubszeit als Erfolg gewertet. Transparente mit den Aufschriften "Hände weg von unserer Telekom", "Schweizern ist Käse" und "Über einen Verkauf mit unerwünschten Nebenwirkungen informieren Sie Bundesregierung, Industriellenvereinigung und Finanzminister" begrüßten die Teilnehmer.

Postbus-Vertreter solidarisch
In Grußadressen lehnten unter anderem Betriebsrat Michael Kolek vom Zentralausschuss sowie der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Post- und Fernmelde-Bediensteten Gottfried Zauner die Telekom-Verkaufspläne ab. Die ÖIAG sei eine "Geldvernichtungsmaschine" und betrieben werde ein "Abverkauf an den Meistbietenden". Solidaritätsbekundungen kamen auch von Belegschaftsvertretern der Post AG und von Post- und Bahnbus.

Sperrminorität bei Versammlung in Klagenfurt gefordert
Mehr als 300 der insgesamt 700 Mitarbeiter der Telekom Austria (TA) in Kärnten nahmen am Dienstagvormittag an einer Betriebsversammlung in Klagenfurt teil. Zentrale Forderung der Belegschaft: Der Nationalrat soll bei der Sondersitzung am 31. August beschließen, dass die Republik eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie an der TA halten müsse.

AK-Präsident fordert Stopp des Personalabbaus
Arbeiterkammerpräsident Günther Goach meinte, er sei davon überzeugt, dass die Geheimverhandlungen im Hintergrund fortgesetzt würden. Er forderte einen Stopp des Personalabbaus. Allein in Kärnten sei der Mitarbeiterstand in den vergangenen Jahren von 1.100 auf 700 geschrumpft worden: "Jetzt muss Schluss sein."

Graz: Resolution gegen den Verkauf
Rund 600 der 1400 in der Steiermark beschäftigten Mitarbeiter der Telekom Austria (TA) waren am Dienstagvormittag zur Betriebsversammlung in die Grazer Arbeiterkammer gekommen. Es wurde eine Resolution gegen den vollständigen Verkauf des Unternehmens gefasst. Betriebsratschef Robert Wallner fordert unter anderem eine offensive Akquisitionspolitik der Staatsholding ÖIAG statt "schizophrene Verscherbelungsaktionen".

Scharfe Kritik von Haider an Grasser und Schüssel
Der oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider drückte in einer Presseaussendung am Dienstag seine Solidarität mit der Versammlung aus. Der Finanzminister müsse die Konsequenzen ziehen und gehen, weil er mit seinem "Privatisierungswahn" den Wirtschaftsstandort Österreich tagtäglich in immer größere Gefahr bringe. Außerdem müsse seine Rolle im Zusammenhang mit dem nun aufgetauchten Verdacht auf Insidergeschäfte rund um den geplatzten Telekom-Deal geklärt werden. Auch der Bundeskanzler könne sich sich nicht weiter blind und taub stellen. Die "Ausverkaufspläne" seien wirtschaftspolitisch falsch und müssten sofort fallen gelassen werden. Zudem forderte er einen sofortigen Privatisierungsstopp auch bei der Post und erklärte, er hoffe auf eine "Allianz der Vernunft" für die Sondersitzung des Nationalrates am kommenden Dienstag. (apa/red)

23.8.2004 22:23