Montag, 23. August 2004

ÖBB-Vorstand und Aufsichtsrat streiten um die neue Bahn-Dienstleistungs-GmbH

  • Dienstleistungsgesellschaft soll Kompetenzen verlieren
  • Vorstand und Gewerkschaft sprechen sich dagegen aus

Innerhalb der ÖBB ist ein Streit um die Aufgabenverteilung entbrannt. Vorstand und Aufsichtsrat sind sich über die ÖBB-Dienstleistungs-GmbH uneinig. Die neu geschaffene Gesellschaft soll weit weniger Kompetenzen als ursprünglich geplant erhalten.

Der entsprechende Beschluss soll - gegen das Konzept des ÖBB-Vorstandes - am Freitag in der Sitzung des Aufsichtsrates gefasst werden.

Nur zwei Bereiche in die Dienstleistungs-GmbH
Konkret will der Aufsichtsrat demnach nur die Personalagenden und die Informatik in die Dienstleistungs-GmbH verlagern. Alle anderen Bereiche, vor allem Finanz- und Rechnungswesen sowie der Einkauf sollen in den anderen Teilgesellschaften - Güterverkehr, Personenverkehr, Infrastruktur-Betrieb und Infrastruktur-BauAG - jeweils separat geregelt werden.

Vorstand vergleicht Bahn mit Bund
"Völlig unwirtschaftlich", heißt es dazu aus dem ÖBB-Vorstand. In jedem anderen Großunternehmen - etwa im Verbund oder der OMV - gehe der Trend in Richtung Bündelung der Dienstleistungen. "Selbst der Bund organisiert heute Einkauf und Rechnungswesen zentral, weil das kostengünstiger und sparsamer ist", heißt es.

Gewerkschafter Haberzettl mit Vorstand einer Meinung
Ungewöhnlich einig ist sich der Vorstand in diesem Punkt mit seiner Gewerkschaft. Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl glaubt, dass sei "der Beweis, dass ÖBB-Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer die Bahn so schnell wie möglich zerschlagen" wolle. "Wenn man genau das Gegenteil von dem macht, was für die ÖBB insgesamt wirtschaftlich sinnvoll wäre, dann kann da nur der Zerschlagungsgedanke dahinter stehen", meinte Haberzettl zur APA.

Wird vorm Walde degradiert?
Opfer im ÖBB-Richtungsstreit, wird gemutmaßt, könnte jetzt Generaldirektor Rüdiger vorm Walde sein. Statt in der Holding Generaldirektor zu bleiben könnte Vorm Walde nach bereits länger anhaltenden Spekulationen nur Chef der neuen ÖBB-Personenverkehrs AG werden. Die Ausschreibung für diesen Posten ist vor kurzem ausgelaufen, insgesamt sollen sich 30 Bewerber gemeldet haben. Das Thema steht am Freitag ebenfalls auf der Tagesordnung des Aufsichtsrates. (apa/red)

23.8.2004 13:59